Tag 6 – Reise, Reise

Kurz nach sechs schaffe ich es tatsächlich aufzustehen und packe meine Sachen. Bis ich allerdings an der richtigen Strassenkreuzung stehe, dauert es ein wenig. Vorher muss ich noch etwas Proviant fuer die Fahrt einkaufen und der Bus mit dem ich eigentlich fahren wollte, faehrt nur bis 7h30 und dann wieder ab 14h30. Ich nehme also einen anderen Bus, der an der gleichen Station hält. Als ich dort ankomme, finde ich aber keine Auffahrt auf die Autobahn, sondern eine ganz normale kleine Strasse. Nach einigem herumwandern, sehe ich dann das Autobahnschild und merke, dass ich auf der richtigen Querstrasse bin, allerdings ist die Hauptstraße ein paar Blocks weiter ist.

Um neun Uhr stehe ich dann mit Schild vor einer Bushaltestelle, einmal mit lateinischen Buchstaben und einmal mit kyrillischen. Um zehn Uhr werde ich auch schon von einem ukrainischen Transporter mitgenommen. Der Fahrer heisst Mischa und kann immerhin um die 10 Woerter Deutsch. Der Beifahrer kann rund die selbe Menge auf Englisch und mit Mischas Ehefrau versuche ich Russisch beziehungsweise Italienisch zu sprechen. Da ich allerdings beide Sprachen nicht kann, ist die Unterhaltung etwas schwierig. Als ich mit Hilfe meines Russisch-Sprachfuerhers frage, ob sie nach Lviv fahren, bejahen sie dies. So geht die Fahrt etwa drei Stunden bis zur ungarischen Grenze, die wir relativ schnell (30 Minuten) passieren.

An der ukrainischen Grenze ist das allerdings etwas schwieriger. Wir müssen uns in die Schlange fuer Kleintransporter stellen und das heißt erst mal Stillstand. Jedes Auto muss extrem lange herumstehen und ein paar Grenzbeamte sehen sich Wagen für Wagen an. Je nachdem wie viel Geld man ihnen gibt eben gruendlich oder nicht. Da Mischa vor der Grenze ein paar Plastiksaecke voll irgendwas unter die Motorhaube gepackt hat, muss er natuerlich auch ein paar Euros springen lassen. Bei der Passkontrolle gibt es das gleiche Spiel. Er packt einen 10 Euro Schein in den Pass und die Fotos unserer Ausweise werden nicht mal beachtet. Wir stehen auf dem Inspektionsparkplatz fast fuenf Stunden und erst dann geht die Reise weiter. Mischa faengt an zu singen: „Ukraaainnnaaaa – lalala – Ukraainnnaaa“, bis uns ploetzlich ein Polizeiauto an den Straßenrand winkt. Mischa steigt mit 5 Euro Buendel aus, die Polizisten öffnen das Auto, alle lachen und es geht weiter. Es dauert nur rund drei Kilometer, bis er mir sagt, dass er jetzt doch nicht nach Lviv faehrt. Ich kann aber mit einem seiner Kollegen mitfahren, der das Auto genauso voll hat wie er. Wieder versuchen wir uns, meist vergebens, zu verstaendigen und es wird klar, dass ich mit diesen Menschen auch nicht nach Lviv komme. Egal, sie fahren zumindest in die richtige Richtung und der Rest wird sich zeigen.

Während der Fahrt halten wir immer wieder in Doerfern und Siedlungen und der Fahrer holt ein paar Kartons aus dem Auto, die er an Freunde verteilt. Es wird schön langsam dunkel und ich frage mich, ob das noch etwas wird mit Lviv. Sie versichern mir allerdings, dass sie mich zu einer Busstation bringen. Nach einem Zwischenstopp an einer Tankstelle stehen wieder drei Transporter nebeneinander und alle kennen sich. Ein Mann spricht mich auf Deutsch an: „Stefan, faehrst du nach Lviv?“ Ich bejahe und er faehrt mich zum Bahnhof. Rund 60 Kilometer vor Lviv dolmetscht mir der alte Mann noch, um ein Ticket zu kaufen. Fuer rund zwei Euro bin ich dabei. Ich bedanke mich, er lacht und ich gehe raus zu den Gleisen. Der Zug kommt auch sofort und ich steige ein. Bis ich meinen Wagon gefunden habe, muss ich allerdings noch durch einige Schlafwagons laufen. In der Ukraine sind die uebrigens alle offen, das heisst ich kaempfe mich mit meinem Rucksack durch herausragende Fuesse und Koepfe – shit happens 🙂 Per SMS lasse ich meinen Couchsurfing-Host Andrii wissen, dass ich um 00h23 ankomme. Er meint, dass das kein Problem ist und holt mich sogar noch vom Bahnhof ab.

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