Tag 11

Es ist Samstag und Yarek hat Zeit mir die Stadt zu zeigen. Direkt von seiner Wohnung aus machen wir uns auf in die Altstadt. Auf dem Weg dorthin halten wir bei einem Bürogebäude. Wir gehen hinein und fahren ganz hinauf, leider ist dort alles zu, da ja kein Arbeitstag ist. Ein paar Etagen tiefer haben wir allerdings Glück und auf einem Balkon genießen wir die Aussicht über Kiev.

Die Stadt ist im sowjetischen Stil gehalten, nur wenige ältere Häuser brechen diesen Eindruck. Nichts desto trotz erklärt mir Yarek, dass die Mieten gerade im Stadtzentrum eigentlich unbezahlbar sind. Wenn man also einen noramlen Job als Kassierer oder Busfahrer hat, kann man maximal in den Vororten unterkommen.

Weiter geht es mit dem Standard-Touristenprogramm. Yarek zeigt mir diverse Kirchen und Sehenswürdigkeiten in der Altstadt. Das ist ganz gut um mich in der Stadt zu orientieren. Im Vergleich zu Lviv wirkt Kiev deutlich oestlicher. Alle Kirchen haben goldene Kuppeln und auch die sonstigen Sehenswürdigkeiten heben sich stärker von dem ab, was ich aus Österreich bzw. Deutschland kenne.

Am Abend machen wir uns auf den Weg in die Innenstadt. Da die erste Bar zu voll ist und wir selbst nach 30 Minuten direkt am Tresen kein Bier bekommen, gehen wir in eine andere Bar, die ebenfalls Live-Musik spielt.

Auf dem Weg dorthin sehe ich einen Sticker, der die Situation in der Ukraine relativ gut beschreibt. Wer Geld hat kann alles machen, wer keines hat, hat eben Pech gehabt. Ich hatte ja schon einige Male Polizeikontrollen erwähnt, allerdings ist das noch nicht alles. Auch wenn man zum Arzt geht, muss man zuerst die Krankenschwester schmieren, um schneller dran zu kommen. Danach den Arzt um nicht nur zu überleben, sondern eventuell auch keine bleibenden Schäden von einer Verletzung davon zu tragen. Auch im Bildungswesen wird den Lehrern und Dozenten Geld zugesteckt und und und…

In zwei Monaten sind Parlamentswahlen in der Ukraine. Das ist den meisten Menschen allerdings ziemlich egal, von der Regierung erwartet sich hier keiner auch nur irgendetwas. Jeder weiß, dass es nur um Geld und Macht geht und das Volk eben draufzahlen muss. Im Winter 2004/2005 gab es ja schon erfolgreiche Proteste gegen die Regierung, jedoch war der neue Kandidat, der alles besser machen sollte, ebenfalls korrupt und die Menschen haben seit dem die Politik abgeschrieben.

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