Tag 40

Eigentlich wache ich alle zwei Stunden auf, da die Strasse teilweise sehr schlecht ist und die Stossdaempfer des Busses auch schon mal bessere Zeiten gesehen haben. Um 04h00 sehe ich dann aus dem Fenster und merke sofort, dass wir in Dagestan sind. Saemtliche LKWs die am Strassenrand stehen sehen nochmals aelter und kaputter aus, als in Kalmueckien. Es gibt in Russland eine Art Recycling fuer alte Fahrzeuge. Man sieht staendig andere Sprachen auf den Bussen und LKWs. Das faengt in der Naehe von Moskau an und je weiter man sich davon weg bewegt, desto aelter werden die Fahrzeuge.

Ich komme um 06h30 in Makhachkala an und werde gleich umringt von Menschen, die mich mit dem Taxi mitnehmen wollen. Ich rufe aber zuerst meinen Couchsurf-Host Renat an. Er meint, dass ich auch die Maschrutka nehmen kann. Ich habe aber noch keine Orientierung in der Stadt und gerade keine Lust auf Experimente. Fuer rund fuenf Euro faehrt mich ein Taxi zu Renat. Er wohnt in einem sehr grossen Haus, dass er zusammen mit seinen Eltern gebaut hat. Die Innenausbauten sind noch nicht ganz fertig, aber er arbeitet Tag fuer Tag daran. Er zeigt mir eine Matratze und ich kann noch ein paar Stunden schlafen. Renat wohnt in einer Siedlung die vor sieben Jahren aus dem Boden gestampft wurde, generell faellt mir auf, dass in der Region extrem viel gebaut wird. Die Bausubstanz ist auch ordentlich. Es werden normale Ziegelsteine verwendet.

Als ich aufwache treffe ich Alina, eine tschechische Couchsurferin, die auch gerade bei Renat wohnt. Sie ist Journalistin und klaert mich ueber die aktuelle Situation in Dagestan und dem Nord-Kaukasus noch etwas genauer auf. Im Grunde ist alles halb so wild. Es gibt zwar Wiederstandkaempfer, die Gewalt richtet sich aber ausschliesslich gegen russische Offizielle. Sollte jemand einen Zivilisten verletzen, hat er Vendetta zu befuerchten. Das heisst, dass er und seine gesamte Familie ausgeloescht werden. Davor hat hier jeder groessten Respekt.

Alina reist heute weiter nach Aserbaidschan und sie zeigt mir noch, wie ich in die Stadt und wieder zurueck komme. Auf der Strasse fallen wir natuerlich auf, aber ich bin es ja schon seit Elista gewohnt, dass mich die Leute staendig ansehen. Angesprochen werde ich aber nur einmal. Als ich am Kaspischen Meer spaziere, fragt mich jemand irgendetwas. Ich sage ihm, dass ich aus Oesterreich komme. Er ist verwundert, was ich denn hier mache und wir unterhalten uns ein wenig, so gut es mit meinem bisschen Russisch eben geht. Im Notfall grinse ich einfach, das hilft eigentlich immer 🙂

Ich gehe weiter und komme zum Regierungsgebaeude des Presidenten von Dagestan. Davor ist ein grosser Platz und natuerlich findet man dort etwas Putin Propaganda. Er bedankt sich auf dem Plakat fuer die Unterstuetzung der Dagestanen gegen Wiederstandskaempfer.

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