Tag 72

Rebaz laedt uns heute ein, seine Universitaet zu besuchen. Das Gebaeude liegt etwas ausserhalb von Erbil. Hier sieht man sehr deutlich den Aufschwung der Region, es wird ueberall gebaut und die Gebaeude werden in einem wahnsinnigen Tempo fertiggestellt.

In der Uni zeigt er uns die Hoersaeele. Alles ist neu und auch die Ausruestung ist beachtlich. Es kommen Whiteboards, Beamer und Smartboards zum Einsatz. Ich bin erstaunt wie viele Frauen sich hier rumtreiben. Die meisten davon sind ohne Kopftuch unterwegs. Rebaz meint, dass das erst seit einigen Jahren so ist. Der Aufschwung der Region fuehrt also auch zu einer etwas offeneren Gesellschaft.

Im Garten der Uni trinken wir Kaffee und lernen einen Freund von Rebaz kennen. Wir reden etwas und er gibt uns ein Buch ueber die Anfal Kampagne. Darunter versteht man Saddams Genozid an den Kurden. Knappe 200.000 Menschen mussten damals sterben. Es wurde gefoltert und gemordet, auch chemische Waffen kamen zum Einsatz. In dem Buch wird ein Zeitzeuge interviewt – ich bin gespannt.

Wir wollen heute noch nach Shaqlawa, um uns kaputte Panzer anzusehen. Sie stammen aus dem Krieg der Kurden gegen Saddam. Rebaz erzaehlt uns, dass die kurdischen Wiederstandskaempfer (Peschmerga) damals ihre Fuesse zusammengebunden haben, um nicht vor Angst davonzulaufen. Wir fahren also mit dem Auto und passieren auf dem Weg einige Checkpoints. Leider haben wir alle unsere Ausweise vergessen, doch wir schaffen es, vier Checkpoints zu passieren. Manchmal werden wir angehalten und muessen mit dem Kommandanten reden. Nach einem kurzen Telefonat geht es dann aber weiter. Die Kontrollen hier sind lange nicht mehr so streng wie frueher.

In der Stadt essen wir noch eine kurdische Pizza. Der Teig ist sehr duenn und der Belag besteht aus Tomaten und Fleisch. Wir machen uns wieder auf den Rueckweg und nach ein paar weiteren Gespraechen an den Checkpoints sind wir wieder in Ebil.

Es ist ungefaehr 20h00 und wir wollen noch etwas unternehmen, bevor wir wieder ins Hotel gehen. Rebaz schlaegt vor, noch etwas Bier zu kaufen und es neben der Autobahn zu trinken. Dort versammeln sich jeden Abend Leute, um gemeinsam zu trinken. Die Verkehrspolizei hat keine Alkomaten, also trinken auch die Fahrer gut mit. Die ganze Sache mit dem Alkohol ist hier noch relativ neu und so dauert es wohl noch ein bisschen, bis es wirklich Regeln dagegen gibt.

Wir steuern das erste Lagerfeuer an, das wir sehen und fragen die Jungs, ob wir uns neben sie setzen koennen. Sie sind sofort begeistert, ein paar Auslaender zu sehen und bieten uns sogar noch ihre Grillspiesse an. Leider koennen sie nicht wirklich gut Englisch, Rebaz kann aber uebersetzen. Einer der Jungs ist Taxifahrer und kommt wohl fast jeden Abend hierher. Wir rauchen ein paar Zigaretten und trinken ein wenig Bier, bis wir uns dann wieder verabschieden.

Sofort kommen wir aber auch nicht ins Bett. Wir schauen wieder bei Mohammed vorbei. Er besteht wieder darauf, dass wir zumindest ein paar Huenchenfluegel essen. Wir sind eigentlich noch von der Pizza satt, da liegen die Fluegel schon auf dem Grill. Nach einem letzten Tee geht es dann aber wirklich ab ins Hotel.

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