Tag 76

Der Tag beginnt mit einem ordentlichen Fruehstueck. Es gibt eine Suppe mit gutem Fettanteil und Fleisch im Teigmantel. Als Beilage gibt es, wie zu jedem Essen im Irak, frisch gebackenes Fladenbrot. Pro Person bezahlen wir rund einen Euro. Das Preis-Leistungs-Verhaeltnis stimmt also definitiv.

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Wir wollen heute in das Anma Suraka Museum. Damit ist das noerdliche Hauptquartier der ehemaligen Geheimpolizei waehrend Saddams Herrschaft gemeint. Als wir uns den Mauern des Komplexes naehern, sehen wir zahlreiche Einschussloecher. Die stammen noch von dem Aufstand vor 21 Jahren, als die Peschmerga (Kurdische Wiederstandskaempfer) das Gebaude erfolgreich stuermten. Wir betreten das Areal und bekommen sofort einen Museumsfuehrer an die Seite gestellt, der uns alles auf Englisch erklaeren kann.

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Der erste Raum beinhaltet zwei grosse Gefaengniszellen, hier wurden massenweise Kurden einquartiert. Der Fuehrer meint, dass in einer Zelle wohl bis zu 80 Menschen waren. Weiter geht es ueber das Folterzimmer in das Verhoerzimmer, was im Grunde auch ein Folterzimmer ist. Hier wurden Menschen an den Haenden aufgehangen, bis sie sich nicht mehr bewegen konnten. Unterbrochen wurde das beschauliche Herumhaengen von gelegentlichen Stromstoessen. Die Waende sind mit Holz verkleidet, damit man die Schreie ausserhalb des Raumes nicht hoeren konnte.

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Die Ausstellung beschaeftigt sich allerdings nicht nur mit dem Schrecken des Saddam-Regims, sondern zeigt auch kulturelle Gegenstaende des kurdischen Lebens. So gehen wir von Raum zu Raum und landen am Ende doch wieder beim Leid der Kurden. In einem Keller sind Fotos ausgestellt, die die Opfer der Anfal-Kampagne zeigen. Man sieht Menschen, die durch Chemie-Waffen gestorben sind und einfach so auf der Strasse liegen. Ich habe mittlerweile das Buch, das mir Rebaz‘ Freund geschenkt hat, gelesen und verstehe die ganze damalige Situation mit den heutigen Eindruecken noch etwas besser.

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Als wir wieder an die frische Luft gehen, regnet es haeftig. Da die Ausstellung und der Fuehrer gratis waren, beschliessen wir ihn auf ein paar Tassen Tee bzw. Kaffee einzuladen. Ich habe leider seinen Namen vergessen, aber wir fuehren eine interessante Unterhaltung. Er hat wohl die letzten paar Jahre etwas zu viel gechillt und ist jetzt hoch motiviert zu studieren und etwas mit Sinn zu machen. Sogar Bewerbungen fuer verschiedene Universitaeten in Grossbritannien sind schon ausgefuellt und abgeschickt.

Als der Regen etwas aufhoert, gehen wir raus und sehen uns noch ein paar Panzer, Haubitzen und sonstiges Kampfgeraet an. Durch den starken Regen ist unsere Bewegungsfreiheit etwas eingeschraenkt, also verbringen wir den Grossteil der Zeit im Internetcafe bzw. im Hotel. Wir entscheiden uns am Abend, dass wir noch einen Tag laenger in Sulaimaniyya bleiben werden, da wir noch den groessten Bazar Kurdistans sehen wollen.

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