Tag 90

Leider komme ich erst etwas spaeter vom Hostel weg. Der Weg nach Sofia ist nicht ganz so kurz, doch ich will es trotzdem versuchen. Mit der Metro fahre ich bis zum Busbahnhof und versuche von hier auf die Autobahn zu kommen. Das ist nicht ganz einfach, da sie zum Teil durch einen Zaun mit Stacheldraht vom Rest der Stadt abgetrennt ist. Bei einer Autobahnbruecke fehlt allerdings die Absperrung und so klettere ich den Huegel zur Brücke hoch. Das erste Auto bringt mich ein paar Kilometer weiter und da es regnet, werde ich unter einer queerenden Autobahnbruecke rausgelassen. Hier stehe ich einige Zeit, doch der Platz ist nicht wirklich geeignet, um Autos zu stoppen. Es gibt fast keinen Platz zum Anhalten und der Verkehr faehrt zu schnell an mir vorbei. Ich beschliesse ein paar Kilometer der Strasse zu folgen, bis ich einen besseren Platz finde.

Es dauert nicht lange und ich werde mitgenommen. Das Auto scheint sehr alt zu sein. Ab und zu fahren wir nur 40 auf der Autobahn. Der Fahrer meint aber, dass er mich nach Sofia bringen kann. Nach 60 Kilometer fahren wir allerdings von der Autobahn ab und ich bin zuerst etwas verwundert. Der Fahrer erklaert mir, dass er den Beifahrer beim Gefaengnis abliefern muss und dann weiter in Richtung Bulgarien fahren will. Soweit so gut, wir lassen den Beifahrer also aussteigen. Fuer ihn geht es wohl einige Zeit hinter Gitter. Wir fahren den Weg wieder zurueck, doch dann dreht der Fahrer um und faehrt in Richtung Istanbul. Ich bin verwundert und sehe ihn fragend an. Er faengt auf einmal an, komische Geschichten zu erzaehlen. Anscheinend ist er Polizist und musste den Verurteilten zum Gefaengnis begleiten. Deshalb muss er jetzt noch Papiere in Istanbul unterzeichnen lassen, die den Transfer bestaetigen. Wirklich glaube ich ihm die Sache mit dem Polizisten nicht, doch vielleicht habe ich ihn falsch verstanden und er erledigt nur die Arbeit eines Polizisten.

Der Umweg ueber Istanbul stoert mich etwas, doch da er mich direkt nach Sofia bringen will, sind die zusaetzlichen Kilometer in Ordnung. Auf der Fahrt stellt er dann einige merkwuerdige Fragen. Er fragt mich, ob ich einen Laptop habe, ob ich eine Kamara dabei habe, aber keine kleine Kamera, sondern eine Spiegelreflex-Kamera, wie viel Geld ich mit mir fuehre usw. Das ist schon mal ziemlich merkwuerdig, aber ok, ich bin ja schon einiges vom Trampen gewohnt. Wir fahren also in Richtung Istanbul und ich weiss ja bereits ueber die Trickbetrueger am Taksim Platz Bescheid. Natuerlich, wie sollte es auch anders kommen, fahren wir in die Naehe dieses Platzes. Ich bin also gewarnt. Er steigt aus und will, dass ich ihm folge. Ich nehme meinen Rucksack mit, obwohl er darauf besteht, den Rucksack im Auto zu lassen. Er geht in eine Gasse und will mit mir Tee trinken, ich lehne ab. Daraufhin will er mich ploetzlich ohne Zwischenstopps nach Sofia fahren. Wieso also der ganze Umweg? Wieso hat er seine Papiere nicht unterschreiben lassen? Es waren einfach zu viele Fragen unbeantwortet, also gehe ich zurueck zum Auto, packe meine restlichen Sachen und will abhauen. Er haelt mich am Arm und besteht darauf, mich zu fahren. Ich schreie ihn an, reisse meinen Arm weg und laufe durch die Gassen zu einer Hauptstrasse. Hier gehe ich in den ersten Kebab-Stand und hole erst mal Luft. Alles ist gut, mir ist nichts passiert und ich hatte wohl Glueck, ohne Verlust von Wertgegenstaenden oder Geld davongekommen zu sein.

Fuer heute reicht es mir mit Trampen, also gehe ich zum Busbahnhof und kaufe mir das Ticket fuer den Nachtbus. Nachdem ich kurz eingenickt bin, erreichen wir die Grenze. Wie sollte es anders sein, schmuggeln wieder alle Zigarreten. Obwohl sie damit nur einen minimalen Profit machen koennen, da sich die Preise nicht wirklich stark unterscheiden. Der Zoll konfisziert anschliessend die Haelfte und die Stimmung ist etwas gedaempft. Ich komme aber ohne Probleme ueber die Grenze und bekomme sogar noch ein paar Stunden Schlaf.

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