Tag 92

Gemeinsam mit Martin verlasse ich die Wohnung. Er faehrt mit mir noch bis ins Stadtzentrum, bis ich dann aussteigen muss. Nach einer weiteren Tramfahrt bin ich am Stadtrand. Ich nehme nochmals einen Bus für zwei Stationen und erreiche das erste Dorf vor Sofia. Von hier kann man wunderbar Trampen, da der ganze Stadtverkehr nicht so weit kommt. Mit dem ersten Auto geht es bis kurz vor Pernik. Ich werde an einer Bushaltestelle rausgelassen und hoffe nun weiter zu kommen. Schild habe ich noch keines, da Martin meinte, dass der Daumen in Bulgarien reicht. Nachdem ich 20 Minuten erfolglos im Schnee stehe, gehe ich in die gegenueberliegende Tankstelle und frage nach etwas Karton.

Mit dem neuen Schild verspreche ich mir mehr Erfolg, jedoch scheint niemand nach Skopje zu fahren. Ich weiss nicht genau wie viel Grad es heute hat, aber so um die -10 werden es schon sein. Obwohl ich die dicken Wanderschuhe anhabe, ziehe ich mir ein zweites paar Socken an. Fuer meinen Kopf habe ich gestern von Martin eine Fellmuetze geschenkt bekommen. Das Ding ist herrlich. Wenn ich etwas mit dem Rucksack marschiere, muss ich die Ohrenwaermer hochklappen, da mir sonst zu warm wird. Trotz der ganzen Kaelte, macht Trampen im Schnee aber wahnsinnigen Spass. Die Autos fahren langsamer, es ist viel ruhiger und natuerlich auch landschaftlich wunderschoen.

Irgendwann stoppt dann ein alter Mann, der mich bis nach Pernik bringt. Wirklich weit komme ich nicht, aber immerhin ist es im Auto schoen warm. Als ich aussteige, bin ich leider im Stadtzentrum und die naechste Autobahn ist kilometerweit entfernt. Es hilft aber nicht und so stapfe ich einige Zeit durch den Schnee. Als ich dann auf der Autobahn stehe, werde ich nach kurzer Zeit von einem Maedchen in meinem Alter angesprochen. Wir haben eine lustige Unterhaltung, da sie mir die ganze Zeit erklaeren will, dass ich hier in Bulgarien bin und dass es hier nur schlechte Menschen gibt. Nachdem ich 15 Minuten mit ihr geredet habe und sie mir nicht ganz glaubt, dass man hier Autos stoppen kann, haelt ein Jeep, der mich bis nach Mazedonien bringen kann.

Der Fahrer ist super nett, spricht aber leider kein Englisch. Immerhin spricht er Russisch und so koennen wir einfachen Small-Talk fuehren. Er ist Kickbox-Trainer und Rinder-Zuechter, eine interessante Kombination. Auf der Strasse liegt einiges an Schnee und es scheint keinen Raeumdienst zu geben. Zum Glueck fahren wir in einem dicken SUV und so kommen wir gut zur Grenze.

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Kurz nach dem Grenzuebertritt werden wir von der Polizei aufgehalten. Ich glaube, dass der Fahrer zu schnell gefahren ist. Auf jeden Fall muss er nochmals zurueck zum Grenzposten und an der dortigen Bank die Strafe direkt bezahlen. Seine Papiere werden ihm erst wieder ausgehaendigt, als er der Polizei den Zahlungsbeleg zeigt. Nach diesem Vorfall sprechen wir nicht mehr so viel. Die Strafe aergert ihn ziemlich. Waehrend der Fahrt bekommt er einen Anruf von seinem Freund und muss doch nicht nach Skopje. Er bringt mich aber bis kurz vor die Stadt. Bevor wir die Mautstelle passieren, laesst er mich raus und dreht um. Ich passiere den Kontrollpunkt zu Fuss und stoppe die Autos danach. Da sie sowieso schon stehen, nimmt mich auch gleich das dritte Auto mit.

Mit zwei Architekten geht es ins Stadtzentrum. Von dort aus will ich ein Hostel finden und frage ein paar Leute. Das Hostel, dass ich mir aufgeschrieben habe, kennt keiner. Eine Frau bietet mir allerdings an, mit ihr im Taxi zu fahren, da in ihrer Nachbarschaft eines ist.

Das Hostel macht einen guten Eindruck und ist brandneu. Die Belegschaft spricht Deutsch, da ein Mitarbeiter in Wien und der andere in Muenchen studiert hat. Sie geben mir auch noch Tipps zum Weggehen. Leider ist das Hostel ziemlich leer, da einfach schon krasse Nebensaison ist, ich mache mich aber alleine auf den Weg. Bei meiner Suche nach einer anstaendigen Bar, frage ich ein paar Jungs die gerade an einem Schaufenster arbeiten. Es stellt sich heraus, dass sie heute ihren Snowboard-Shop eroeffnen und daher eine Party schmeissen. Es gibt gratis Bier, Wein und zum aufwaermen natuerlich Rakia. In dieser Nacht hat es rund -10 Grad, also genau das Richtige.

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