Tag 95

Eigentlich wollte ich heute nach Tirana trampen, aber gestern ging es doch etwas laenger und ich hatte noch keinen Erfolg mit einer Couch in Tirana. Ana meinte gestern, dass ich ruhig noch einen Tag bleiben kann, also mache ich das.

Um 10h00 werden wir von einem Anruf geweckt. Ihre Grosseltern sind wohl bei ihrer Cousine im Erdgeschoss und kommen demnaechst in ihre Wohnung. Die ganze Sache mit Couchsurfing passt nicht so gut in ihre Welt und Ana hat ihnen noch nichts davon erzaehlt. Ich gehe also draussen eine Runde spazieren und komme nach einer halben Stunde wieder. Sie erklaert ihnen, dass ich ein Austauschstundent bin und eigentlich zum Lernen komme. Mit ihren Grosseltern kann ich sowieso nicht reden, also gibt es auch keine Gefahr, dass ich mich verplappere.

Ana muss heute zu einem Treffen der Wohnungseigentuemer des Hauses und ich lese derweil ein paar Kurzgeschichten, die sie von der Uni hat. Ihre Oma sitzt neben mir und verfolgt gespannt eine tuerkische Telenovela.

Fuer morgen muss ich mich noch etwas informieren, welchen Weg ich nach Podgorica nehmen soll. Ana hat aber leider noch kein Internet in der neuen Wohnung und so gehen wir in ein Cafe. Die Eigentuemer gehoeren wohl zur albanischen Mafia und so darf man trotz Rauchverbot rauchen.

Zurueck in der Wohnung machen wir wieder einen Filmabend. Auf einmal ist es dann 5h00 in der Frueh und es ist hoechste Zeit ins Bett zu gehen, schliesslich ist der Weg nach Podgorica lange.

Advertisements

Tag 94

Ana studiert amerikanische Literatur und hat heute eine Vorlesung in der Uni. Da ich nicht wirklich einen Plan habe, was ich machen soll, komme ich einfach mit. Die Professorin haben wir gestern noch ueber Facebook gefragt und sie hatte nichts dagegen. Rund 10 Studenten sind anwesen und sprechen drei Kurzgeschichten durch. Ich finde es spannend wie detailreich die Geschichten analysiert werden und wie praezise sie geschrieben sind.

DSC02382

Heute essen wir im Tito Restaurant und es gibt auch ein Mazedonisches Nationalgericht: Bohnen mit Wuerstchen. Da es draussen nach wie vor kalt ist, gehen wir wieder zurueck zur Wohnung und halten einen kleinen Mittagsschlaf.

Heute will ich mal das Nachtleben von Skopje kennenlernen, also kaufen wir uns etwas Bier und trinken zu zweit in der Wohnung vor. Ihre Freunde haben heute irgendwie keine Lust oder schon ein anderes Programm mit Freund bzw. Freundin. Um Mitternacht gehen wir dann zum Club. Ana ist draussen zu kalt mit Kleid und High-Heels, also entschliesst sie sich, ausnahmsweise normale Sachen anzuziehen. Auf dem Weg zum Club sehe ich dann, warum sie sich fuer die Kleidung entscheiden hat. Drei Maedels halten sich aneinander fest und rutschen mit ihren hochhackigen Schuhen ueber das Eis. Das Ganze sieht schon etwas lustig aus.

DSC02388

Im Club wird es dann etwas merkwuerdig. Die Musik ist laut, jedoch hat niemand vor zu tanzen. Alle stehen herum und trinken ihre Getraenke. Besonders die Jungs stehen auf den Treppen zum Dancefloor und sehen sich die Maedels an. Ich und Ana haben aber trotzdem Spass, besonders als eine serbische Rockband kommt. Gespielt werden internationale klassiker und serbische Lieder.

Tag 93

Ich sehe mir heute die Stadt an. Skopje ist recht uebersichtlich und das Stadtzentrum kann man gut zu Fuss ablaufen. Als erstes geht es zum alten Markt. Ich finde hier aber grossteils Touristenzeugs. Daneben gibt es einen Markt fuer Mazedonier, die hier Gemuese und Kleinigkeiten kaufen. Auffaellig ist, dass ein Teil des Marktes mit albanischen Flaggen behaengen ist. Das liegt daran, dass in Mazedonien rund ein Viertel der Bevoelkerung albanischer Herkunft sind und Albanien vor zwei Wochen 100 Jahre Unabhaenigkeit gefeiert hat.

DSC02364

Weiter geht es auf die Festung, die eigentlich aufgrund von Restaurationsarbeiten gesperrt sein soll. Vor dem Tor steht auch ein Schild, der Eingang ist aber offen. Ich gehe also hinein und sehe mich etwas um.

DSC02369

Man sieht von hier ueber die Stadt, jedoch ist die Sicht heute wahnsinnig schlecht, so dass man nur die Gebaeude in der Nähe erkennen kann. Einige Monumente sehe ich dann aber vom Hauptplatz aus. Wie ich spaeter erfahre, investiert die Stadt derzeit Geld und baut Monumente. So verspricht sich Skopje mehr Touristen. Klingt nach einem einfachen Konzept, ob es von Erfolg gekrönt ist, weiss ich nicht.

DSC02377

Zum Essen gibt es heute nichts typisches Mazedonisches, sondern einfach mal Burger mit Pommes. Als ich so durch die Strassen gehe, finde ich ein Fastfood-Restaurant, das voller Menschen ist. Der Besuch lohnt sich. Fuer rund 1,50 Euro gibt es einen riesen Burger, gefuellt mit ordentlich Pommes.

Im Hostel verbringe ich noch etwas Zeit bevor ich mich dann um 19h00 mit Ana am Busterminal treffe. Ich habe sie ueber Couchsurfing angeschrieben und da sie erst heute aus ihrer Heimatstadt zurueckgekommen ist, werde ich nur zwei Naechte in ihrer Wohnung uebernachten.

In der Wohnung angekommen, stellt sich natuerlich die Frage nach der Abendgestaltung. Es ist bereits 20h00 und eigentlich kann man um diese Zeit keinen Alkohol mehr kaufen. Ana kennt aber ein Geschaeft in ihrer Naehe, in dem das noch geht. Sie ist ein riesen Film-Fan und so verbringen wir den Abend mit Filmen und mazedonischen Wein.

Tag 92

Gemeinsam mit Martin verlasse ich die Wohnung. Er faehrt mit mir noch bis ins Stadtzentrum, bis ich dann aussteigen muss. Nach einer weiteren Tramfahrt bin ich am Stadtrand. Ich nehme nochmals einen Bus für zwei Stationen und erreiche das erste Dorf vor Sofia. Von hier kann man wunderbar Trampen, da der ganze Stadtverkehr nicht so weit kommt. Mit dem ersten Auto geht es bis kurz vor Pernik. Ich werde an einer Bushaltestelle rausgelassen und hoffe nun weiter zu kommen. Schild habe ich noch keines, da Martin meinte, dass der Daumen in Bulgarien reicht. Nachdem ich 20 Minuten erfolglos im Schnee stehe, gehe ich in die gegenueberliegende Tankstelle und frage nach etwas Karton.

Mit dem neuen Schild verspreche ich mir mehr Erfolg, jedoch scheint niemand nach Skopje zu fahren. Ich weiss nicht genau wie viel Grad es heute hat, aber so um die -10 werden es schon sein. Obwohl ich die dicken Wanderschuhe anhabe, ziehe ich mir ein zweites paar Socken an. Fuer meinen Kopf habe ich gestern von Martin eine Fellmuetze geschenkt bekommen. Das Ding ist herrlich. Wenn ich etwas mit dem Rucksack marschiere, muss ich die Ohrenwaermer hochklappen, da mir sonst zu warm wird. Trotz der ganzen Kaelte, macht Trampen im Schnee aber wahnsinnigen Spass. Die Autos fahren langsamer, es ist viel ruhiger und natuerlich auch landschaftlich wunderschoen.

Irgendwann stoppt dann ein alter Mann, der mich bis nach Pernik bringt. Wirklich weit komme ich nicht, aber immerhin ist es im Auto schoen warm. Als ich aussteige, bin ich leider im Stadtzentrum und die naechste Autobahn ist kilometerweit entfernt. Es hilft aber nicht und so stapfe ich einige Zeit durch den Schnee. Als ich dann auf der Autobahn stehe, werde ich nach kurzer Zeit von einem Maedchen in meinem Alter angesprochen. Wir haben eine lustige Unterhaltung, da sie mir die ganze Zeit erklaeren will, dass ich hier in Bulgarien bin und dass es hier nur schlechte Menschen gibt. Nachdem ich 15 Minuten mit ihr geredet habe und sie mir nicht ganz glaubt, dass man hier Autos stoppen kann, haelt ein Jeep, der mich bis nach Mazedonien bringen kann.

Der Fahrer ist super nett, spricht aber leider kein Englisch. Immerhin spricht er Russisch und so koennen wir einfachen Small-Talk fuehren. Er ist Kickbox-Trainer und Rinder-Zuechter, eine interessante Kombination. Auf der Strasse liegt einiges an Schnee und es scheint keinen Raeumdienst zu geben. Zum Glueck fahren wir in einem dicken SUV und so kommen wir gut zur Grenze.

DSC02359

Kurz nach dem Grenzuebertritt werden wir von der Polizei aufgehalten. Ich glaube, dass der Fahrer zu schnell gefahren ist. Auf jeden Fall muss er nochmals zurueck zum Grenzposten und an der dortigen Bank die Strafe direkt bezahlen. Seine Papiere werden ihm erst wieder ausgehaendigt, als er der Polizei den Zahlungsbeleg zeigt. Nach diesem Vorfall sprechen wir nicht mehr so viel. Die Strafe aergert ihn ziemlich. Waehrend der Fahrt bekommt er einen Anruf von seinem Freund und muss doch nicht nach Skopje. Er bringt mich aber bis kurz vor die Stadt. Bevor wir die Mautstelle passieren, laesst er mich raus und dreht um. Ich passiere den Kontrollpunkt zu Fuss und stoppe die Autos danach. Da sie sowieso schon stehen, nimmt mich auch gleich das dritte Auto mit.

Mit zwei Architekten geht es ins Stadtzentrum. Von dort aus will ich ein Hostel finden und frage ein paar Leute. Das Hostel, dass ich mir aufgeschrieben habe, kennt keiner. Eine Frau bietet mir allerdings an, mit ihr im Taxi zu fahren, da in ihrer Nachbarschaft eines ist.

Das Hostel macht einen guten Eindruck und ist brandneu. Die Belegschaft spricht Deutsch, da ein Mitarbeiter in Wien und der andere in Muenchen studiert hat. Sie geben mir auch noch Tipps zum Weggehen. Leider ist das Hostel ziemlich leer, da einfach schon krasse Nebensaison ist, ich mache mich aber alleine auf den Weg. Bei meiner Suche nach einer anstaendigen Bar, frage ich ein paar Jungs die gerade an einem Schaufenster arbeiten. Es stellt sich heraus, dass sie heute ihren Snowboard-Shop eroeffnen und daher eine Party schmeissen. Es gibt gratis Bier, Wein und zum aufwaermen natuerlich Rakia. In dieser Nacht hat es rund -10 Grad, also genau das Richtige.

Tag 91

Als ich um zirka 6h00 aus dem Bus aussteige, liegt Schnee in den Strassen Sofias. Es hat deutlich unter 0 Grad und so fuehrt mich mein erster Weg in ein Cafe zum Aufwaermen. Muetze habe ich noch keine gekauft und so muessen die Kaputzen von Pullover und Regenjacke reichen.

Von meinem Couchsurf-Host Martin habe ich die Telefonnummer und die Adresse. Da es allerdings noch fruehmorgens ist, will ich ihn nicht anrufen, sondern eine Nachricht ueber Couchsurfing schicken. Ich frage mich nach einem Internetcafe durch, jedoch weiss bei der Busstation keiner Bescheid. So beschliesse ich, mich einfach Martins Wohnung zu naehern, vielleicht liegt ja ein Internetcafe auf dem Weg. Nach zwei Metrostationen und 20 Minuten Fussmarsch finde ich noch immer nichts. Ich habe wohl schon 20 Leute gefragt, aber Internet scheint es hier nur privat zu geben. Nach weiteren fuenf Minuten bin ich dann bei Martins Wohnung. Auf dem Klingelschild stehen drei Namen, jedoch ist seiner nicht dabei. Ein alter Mann betritt zufaellig die Wohnung und so frage ich ihn nach Martin. Er kennt ihn und zeigt mir den Weg. Um 7h30 habe ich es geschafft und stehe vor der richtigen Tuer.

Nach einer kurzen Dusche und einem herzhaften Fruehstueck fahren wir gemeinsam in das Stadtzentrum. Martin ist Uebersetzer und Englischlehrer. Heute hat er zwei Gruppen, eine um 9h30 und eine um 18h30. Kurz bevor der Unterricht der ersten Gruppe anfaengt, fragt er mich, ob ich nicht eine kleine Praesentation ueber meinen Bildungsweg und meine Reise halten moechte. Ich habe nichts dagegen, also erzaehle ich den 17-18 Jaehrigen, wie ich nach Sofia gekommen bin. Die Schueler scheinen interessiert und stellen auch einige Fragen.

SONY DSC

Um 11h00 geht es dann zur Free Walking Tour. Es schneit heute, doch das macht die Stadt angenehm ruhig. Wir gehen vorbei an katholischen, orthodoxen, juedischen und musilimischen Gebetshaeusern. Sofia ist eine sehr alte Stadt, somit haben hier schon verschiedenste Voelker regiert. Trotzdem haben sie es geschafft, keine gewaltsamen Konflikte aufgrund der Religion aufkommen zu lassen. Der Tourguide erzaehlt uns von einem Sprichwort, dass die Situation etwas verdeutlicht: „Die Gebetshaeuser der verschiedenen Religionen sind nur einen Steinwurf voneinander entfernt, jedoch wurde noch nie ein Stein geworfen.“ Spaeter kommen wir noch an Regierungsgebaeuden vorbei und duerfen die Wachabloesung mitverfolgen. Es schneit relativ haeftig, die Soldaten halten aber tapfer durch.

DSC02338

Nachdem die Tour endet, treffe ich mich wieder mit Martin in der Sprachschule. Wir gehen gemeinsam etwas essen. Es gibt Huehnersuppe und frittierten Teig, gefuellt mit Wuerstchen, Gurken und Kartoffeln. Wir unterhalten uns am Nachmittag noch etwas ueber das Leben in Bulgarien und bevor die naechste Stunde anfaengt, nutze ich das restliche Tageslicht um die groesste Kirche in Sofia von innen zu sehen.

DSC02356

Anschliessend kommt auch schon die naechste Gruppe Schueler herein. Ich halte wieder meine Praesentation und waehrend Martin weiter seine Stunde haelt, verlasse ich die Schule. Eigentlich will ich noch bei einem Pub-Crawl mitmachen und so einen Eindruck von Sofias Nachtleben bekommen. Leider bin ich zu lange unterwegs, um aus Martins Wohnung meinen Pass und etwas Geld zu holen. Ich schaffe es daher nicht, rechtzeitig am Treffpunkt zu sein, also gehe ich erneut zurueck zur Wohnung. Da Martin nicht trinkt, freut es ihn, dass ich es nicht geschafft habe. So schlimm ist die Sache auch nicht. Wir braten  etwas Fisch an und lassen es uns gut gehen.

Tag 90

Leider komme ich erst etwas spaeter vom Hostel weg. Der Weg nach Sofia ist nicht ganz so kurz, doch ich will es trotzdem versuchen. Mit der Metro fahre ich bis zum Busbahnhof und versuche von hier auf die Autobahn zu kommen. Das ist nicht ganz einfach, da sie zum Teil durch einen Zaun mit Stacheldraht vom Rest der Stadt abgetrennt ist. Bei einer Autobahnbruecke fehlt allerdings die Absperrung und so klettere ich den Huegel zur Brücke hoch. Das erste Auto bringt mich ein paar Kilometer weiter und da es regnet, werde ich unter einer queerenden Autobahnbruecke rausgelassen. Hier stehe ich einige Zeit, doch der Platz ist nicht wirklich geeignet, um Autos zu stoppen. Es gibt fast keinen Platz zum Anhalten und der Verkehr faehrt zu schnell an mir vorbei. Ich beschliesse ein paar Kilometer der Strasse zu folgen, bis ich einen besseren Platz finde.

Es dauert nicht lange und ich werde mitgenommen. Das Auto scheint sehr alt zu sein. Ab und zu fahren wir nur 40 auf der Autobahn. Der Fahrer meint aber, dass er mich nach Sofia bringen kann. Nach 60 Kilometer fahren wir allerdings von der Autobahn ab und ich bin zuerst etwas verwundert. Der Fahrer erklaert mir, dass er den Beifahrer beim Gefaengnis abliefern muss und dann weiter in Richtung Bulgarien fahren will. Soweit so gut, wir lassen den Beifahrer also aussteigen. Fuer ihn geht es wohl einige Zeit hinter Gitter. Wir fahren den Weg wieder zurueck, doch dann dreht der Fahrer um und faehrt in Richtung Istanbul. Ich bin verwundert und sehe ihn fragend an. Er faengt auf einmal an, komische Geschichten zu erzaehlen. Anscheinend ist er Polizist und musste den Verurteilten zum Gefaengnis begleiten. Deshalb muss er jetzt noch Papiere in Istanbul unterzeichnen lassen, die den Transfer bestaetigen. Wirklich glaube ich ihm die Sache mit dem Polizisten nicht, doch vielleicht habe ich ihn falsch verstanden und er erledigt nur die Arbeit eines Polizisten.

Der Umweg ueber Istanbul stoert mich etwas, doch da er mich direkt nach Sofia bringen will, sind die zusaetzlichen Kilometer in Ordnung. Auf der Fahrt stellt er dann einige merkwuerdige Fragen. Er fragt mich, ob ich einen Laptop habe, ob ich eine Kamara dabei habe, aber keine kleine Kamera, sondern eine Spiegelreflex-Kamera, wie viel Geld ich mit mir fuehre usw. Das ist schon mal ziemlich merkwuerdig, aber ok, ich bin ja schon einiges vom Trampen gewohnt. Wir fahren also in Richtung Istanbul und ich weiss ja bereits ueber die Trickbetrueger am Taksim Platz Bescheid. Natuerlich, wie sollte es auch anders kommen, fahren wir in die Naehe dieses Platzes. Ich bin also gewarnt. Er steigt aus und will, dass ich ihm folge. Ich nehme meinen Rucksack mit, obwohl er darauf besteht, den Rucksack im Auto zu lassen. Er geht in eine Gasse und will mit mir Tee trinken, ich lehne ab. Daraufhin will er mich ploetzlich ohne Zwischenstopps nach Sofia fahren. Wieso also der ganze Umweg? Wieso hat er seine Papiere nicht unterschreiben lassen? Es waren einfach zu viele Fragen unbeantwortet, also gehe ich zurueck zum Auto, packe meine restlichen Sachen und will abhauen. Er haelt mich am Arm und besteht darauf, mich zu fahren. Ich schreie ihn an, reisse meinen Arm weg und laufe durch die Gassen zu einer Hauptstrasse. Hier gehe ich in den ersten Kebab-Stand und hole erst mal Luft. Alles ist gut, mir ist nichts passiert und ich hatte wohl Glueck, ohne Verlust von Wertgegenstaenden oder Geld davongekommen zu sein.

Fuer heute reicht es mir mit Trampen, also gehe ich zum Busbahnhof und kaufe mir das Ticket fuer den Nachtbus. Nachdem ich kurz eingenickt bin, erreichen wir die Grenze. Wie sollte es anders sein, schmuggeln wieder alle Zigarreten. Obwohl sie damit nur einen minimalen Profit machen koennen, da sich die Preise nicht wirklich stark unterscheiden. Der Zoll konfisziert anschliessend die Haelfte und die Stimmung ist etwas gedaempft. Ich komme aber ohne Probleme ueber die Grenze und bekomme sogar noch ein paar Stunden Schlaf.

Tag 89

Bevor ich in Istanbul war, hat mir jeder erzaehlt, dass ich mir unbedingt die Zisterne ansehen muss, also mache ich das heute. Am Eingang muss ich 10 Lira bezahlen und so betrete das ehemalige Wasserreservoir. Es handelt sich um einen kleinen Raum, in dem zahlreiche Saeulen stehen. Die Saeulen sind wohl rund 1.600 Jahre alt, aber wirklich beeindruckt bin ich nicht. Ich gehe wieder zum Eingang und frage den Mann an der Kassa, ob das alles war. Er nickt und so gehe ich wieder raus. Spaeter erfahre ich, dass ich entweder am falschen Ort war, oder der Mann an der Kassa einfach keine Lust hatte, mir den Weg zu erklaeren.

DSC02253

Ebenfalls wurden mir die Princess Islands waermstens empfohlen, die nur mit der Faehre erreichbar sind. Dafuer muss ich ueber die Bruecke in Richtung Norden und dann geht es vom Hafen in Kabatas zu den Inseln. Auf dem Boot treffe ich einen Inder, der ebenfalls alleine reist und er erzaehlt mir, dass er vor zwei Tagen Trickbetruegern in die Faenge gegangen ist. Ein Mann hat ihn angesprochen, sie gingen gemeinsam etwas trinken, dann kamen noch zwei Frauen dazu und am Ende gab es die viel zu teure Rechnung. Er hatte aber zum Glueck nicht viel Geld dabei und ebenfalls keine Kreditkarten, so verlor er nur knapp 80 Lira.

DSC02274

Die Princess Islands sind ein beliebter Ort fuer die Bewohner Istanbuls im Sommer. So koennen sie der Sommerhitze der Stadt entgehen. Im Dezember ist auf den Inseln allerdings nichts los, daher fahre ich direkt nach Ankunft mit dem Inder wieder zurueck. Es wird dunkel und so sehen wir die beleuchtete Bruecke ueber den Bosporus.

DSC02323

Mein Hostel ist nach wie vor langweilig und so gehe ich in das nebenan. Dort wohnt ja noch Leo und so trinken wir noch etwas Efes. Wir spielen Karten mit den anderen Hostelbewohnern. Allzulange kann ich aber nicht bleiben, da ich fuer morgen noch etwas planen muss. Es soll nach Sofia gehen und ich will noch ein paar Dinge klaeren.