Tag 85

Mit dem Bus will ich bis zur Autobahn, die nach Istanbul fuehrt. Ich sehe auf dem Weg ein Schild mit einem Pfeil nach Istanbul, daher steige ich aus und gehe die Autobahnauffahrt entlang. Wirklich viel Platz zum Stoppen finde ich hier allerdings nicht, also folge ich der Strasse. Als ich mich umdrehe, zeigt ein Pfeil in die entgegengesetzte Richtung auch nach Istanbul. So ganz kenne ich mich nicht mehr aus, also gehe ich wieder zurueck zur Busstation. Ein LKW-Fahrer sieht mich und hilft mir schlussendlich zur richtigen Auffahrt zu kommen. Leider vergesse ich mein Schild in dem Truck und so muss ich wieder etwas der Strasse entlang gehen, bis ich ein neues Stueck Karton finde.

Es dauert nicht lange und ein LKW bleibt stehen. Er will heute bis nach Istanbul fahren. Ich freue mich. Auf der Fahrt halten wir an einer Raststaette und essen etwas mit seinem Bruder, der im LKW vor ihm faehrt. Der Weg fuehrt ueber einige Berge und ein paar sind auch schon etwas mit Schnee bedeckt. Langsam aber sicher kommt der Winter.

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Rund 60 Kilometer vor Istanbul haelt er dann an und erklaert mir, dass er seine Pausenzeiten einhalten muesse. Fuer mich ist hier also erstmals Endstation. Es ist bereits dunkel, doch wirklich eine Wahl habe ich nicht. Ich will weiter nach Istanbul. Zuerst versuche ich auf der Autobahn zu stoppen, doch die Autos sind zu schnell und ich werde zu schlecht gesehen. So beschliesse ich die Gaeste an der Rastation zu fragen, leider mit beischeidenem Erfolg. Die letzte Moeglichkeit ist also Autos zu stoppen, die von der Autobahn zur Rastation abfahren. Das klappt auch innerhalb von 20 Minuten und nach ein paar Tassen Tee geht die Fahrt weiter.

In Istanbul ist wahnsinnig viel Verkehr, die Stadtautobahn ist hoffnungslos ueberlastet und der Verkehr bewegt sich nur Schritt fuer Schritt vorwaerts. Irgendwann haben wir es dann aber geschafft und ueberqueren den Bosporus. Tschuess Asien, hallo Europa!

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Ich werde im Stadtzentrum rausgelassen. Hinter dem Auto steht schon ein Bus an der Haltestelle. Der Busfahrer hat gesehen, dass ich trampe und laesst mich kostenlos mitfahren. Sonst muss man sich vorab irgendwo Tickets kaufen, Barzahlung ist nicht moeglich. Die Menschen sind freundlich und helfen mir mit dem Weg. Nachdem ich zweimal umsteige und ein bisschen herumfrage, steige ich in der Nähe eines Hostels aus. Ich will mein Bett beziehen, das laut Informationen aus dem Internet rund 4 Euro kosten soll. An der Rezeption wird mir dann allerdings gesagt, dass es sich bei diesem Preis um ein Bett im Zelt handelt. Fuer ein Zelt auf der Terasse ist es aber schon zu kalt und so muss ich wohl oder uebel das Bett fuer 8 Euro nehmen.

Als ich das 16 Betten Dorm betrete, ist die Raumtemperatur nur minimal hoeher als draussen. Ich zahle trotzdem den vollen Preis. Es gibt auch Heizstrahler, aber da die Decke mit duennen Bambusstaeben verkleidet ist und die Strahler nur ein paar Zentimeter darunter sind, lege ich mir lieber zwei Decken zusaetzlich ins Bett.

Nach einem kleinen und viel zu teurem Kebab bin ich wieder beim Hostel. Dort treffe ich dann Cesr und seine Freundin, die aus Portugal kommen. Er macht derzeit Erasmus in Sofia und sie besucht ihn gerade. Wir trinken ein Bier aus dem Supermarkt. Mit den haeftigen Alkoholsteuern in der Tuerkei kostet das allerdings fast so viel, wie in einer Bar in Berlin.

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Tag 84

Vor einiger Zeit wurde mir ja das Portemonnaie geklaut und ich bin seit dem ohne Krankenkarte und zusaetzlicher Kreditkarte unterwegs. Meine Mutter hat nun diese Karten ueber die Arbeit nach Ankara geschickt und ich kann sie heute bei der Oesterreichischen Aussenhandelsstelle abholen.

In der Aussenhandelsstelle gibt es erst mal frischen Kaffee, als ich auf die Frau warte, die mir die Karten geben soll. Als sie dann Zeit hat, unterhalten wir uns noch ein wenig und ich erzaehle ueber meine Reise. Waere ich noch etwas laenger geblieben, haetten wir auch noch gemeinsam gegessen. Ich will mir aber heute noch das Mausuleum von Atatuerk ansehen und weiss nicht genau, wie lange die Sache dauert, also mache ich mich auf den Weg.

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Beim Betreten des Areals muss man zuerst durch einen Metalldedektor und alle Autos werden durchsucht. Es wird sichergestellt, dass dem toten Nationalhelden der Tuerkei nichts passiert. Natuerlich halten ein paar Soldaten Wache, allerdings bin ich etwas enttaeuscht, als ich sehe, dass sie in gemuetlich warmen Glaskaesten stehen. Ein bisschen Haerte haette ich mir beim tuerkischen Militaer schon erwartet.

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Der Platz vor dem Mausulem ist menschenleer und ich freue mich schon, dass es eventuell im Museum auch so ist. Leider habe ich die Rechnung ohne den unzaehligen Schulklassen gemacht, die wohl von der ganzen Tuerkei kommen um einmal die Grabstaette gesehen zu haben. Alle schreien durcheinander und der Tourguide tut sein Bestes, um noch gehoert zu werden. Die Lehrerinnen sind auch nicht besser, alle 10 Sekunden hoert man ein extrem lautes „Pssssst!!!“.

Im Museum wird alles erklaert, was Atatuerk gemacht hat. Welche Schlachten er geschlagen hat und wie er die heutige Tuerkei gegruendet hat. Spannend finde ich, dass er einige Entwicklungen im sozialen Bereich vorangetrieben hat, die derzeit wohl nicht mehr ueberall in der Tuerkei gelebt werden. Nach Atatuerks Meinung sollten Frauen gleichgestellt sein. Er hat sich stark dafuer eingesetzt sekulare Schulen und Universitaeten zu etablieren und somit die Religion aus der Lehre zu verbannen.

Als ich zurueck gehe, verlaufe ich mich etwas, da ich vergessen habe, mir die Adresse meines Hotels aufzuschreiben. Es regnet zwar nach wie vor, aber immerhin sehe ich so noch etwas von der Stadt. Das Zentrum ist nicht wirklich aussergewoehnlich. Es gibt viele Geschaefte, die alles Moegliche verkaufen. Herumzuspazieren wird durch den huegeligen Untergrund dann irgendwann anstrengend, also frage ich ein paar Leute nach dem Weg.

Bevor ich das Hotel betrete, verbringe ich noch etwas Zeit im Internet Cafe gegenueber. Ismael ist auch wieder da und wir trinken etwas Tee zusammen.

Tag 83

Ich stehe heute um 6h30 auf. Das Fruehstueck wird uebersprungen, da es am spaeteren Vormittag zu regnen beginnen soll und ich noch die paar Stunden am Morgen nutzen will. Ich gehe ein paar Kilometer bis nach Cavusin. Von dort will ich eigentlich in den Love Valley. Leider finde ich den Eingang nicht und so wandere und klettere ich rund eine Stunde zwischen den Felsen herum.

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Irgendwann komme ich dann auch zu meinem Ziel, jedoch bin ich rund 200 Meter ueber dem Tal und es gibt keine Moeglichkeit hinunter zu klettern, da die Felswaende einfach zu steil sind. Immerhin sehe ich die riesigen Felstuerme in Penisform, daher auch der Name „Love Valley“.

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Nach einer weiteren Stunde bin ich wieder beim Hostel und hole meinen Rucksack ab. Mit dem lokalen Bus geht es nach Nefschehir. Die Stadt ist groesser als Goereme, also sind die Chancen von hier nach Ankara zu trampen etwas besser. Ich stehe rund 15 Minuten an der Autobahn nach Ankara, bis ein Mann auf mich zukommt und meint, dass er einen besseren Ort zum Trampen kennt. Er bringt mich mit seinem Pick-Up bis zu der Tankstelle fuer die der arbeitet. Der Weg nach Ankara ist ueber diese Strasse etwas laenger, dafuer gibt es aber auch mehr Verkehr. Nach 20 Minuten nimmt mich dann ein Sales Manager mit. Wir fahren rund 100 Kilometer gemeinsam bis er nach links abbiegt und ich nach rechts weiter muss. Ich stehe wieder an der Autobahn und wieder kommt ein Mann auf mich zu. Er fragt mich irgendetwas auf Tuerkisch. Ich erklaere ihm, dass ich ohne Geld trampe und er haelt mich wohl fuer etwas verrueckt. Ich habe mir sagen lassen, dass in der Tuerkei viele Menschen trampen, jedoch erwartet keiner Geld von einem Auslaender, bei Tuerken sieht das anders aus. Ich entferne mich von ihm und nach ein paar Minuten nimmt mich ein LKW mit. Der Fahrer ist ca. 60 Jahre alt und spricht weder Englisch noch Deutsch, also verlaeuft die Fahrt sehr ruhig.

Am Autobahnring von Ankara werde ich rausgelassen. Es gibt hier leider nicht wirklich viel Platz und die Autos zischen mit ueber 100 Km/H an mir vorbei. Es wird schoen langsam dunkel, doch da haelt ein Kleintransporter. Wir stoppen nach zwei Kilometer, essen etwas Brot und trinken Ayran. Es geht in Richtung Zentrum. Der Beifahrer ist wohl sehr religioes und legt mir nahe mich Beschneiden zu lassen. Ich sage ihm, dass ich darueber nachdenke und so sind wir Freunde. Als ich dann aussteige, geht er mit mir noch auf Hotelsuche und so finden wir eine Unterkunft fuer 30 Lira die Nacht. Der Preis ist nicht extrem guenstig, aber in Ankara sind alle Hotels etwas teurer. Hostels gibt es in der Hauptstadt der Tuerkei leider nicht.

Am Abend gehe ich in das gegenueberliegende Internetcafe und waehrend ich eine Zigarette rauche, rede ich etwas mit dem Personal. Es stellt sich heraus, dass der Typ mit dem ich spreche auch Couchsurfer und Hitch-Hiker ist. Ich rede ueber meine Reiseroute und als ich Makhachkala erwaehne, wird er hellhoerig. Ismael hat naemlich vor, die gleiche Reise wie ich zu machen, nur in die andere Richtung. Er hat sogar bereits Kontakt mit meinem Host in Makhachkala aufgenommen. Ein paar Tassen Tee spaeter, gehe ich wieder zureck zum Hotel. Es ist Zeit fuers Bett.