Tag 66

Wir troedeln etwas herum und essen wieder tuerkisches Fruehstueck. Es wird spaeter und spaeter. Wahrend unseres Weges zur Autobahn kommen wir an den Truemmern des Erdbebens in Van vorbei, einige Haeuser sind noch immer nicht abgerissen und haengen neben den stabileren Bauten hinunter.

Erst um ca. 13h00 sind wir an der Autobahn. Als wir dort das Schild hochhalten, kommen massig Kinder auf uns zu, um uns zu helfen. Ich habe das in den vorherigen Posts nicht erwaeht, doch alle Kurden sind wahnsinnig begeistert von Auslaendern. Es ist sehr leicht mit einem Fremden in der Strasse ein Gespraech anzufangen. Die Kinder allerdings, stoeren etwas. Es ist unmoeglich ein Auto zu stoppen wenn rund 15 Kinder um einen rumspringen. Wir versuchen das den Kindern klar zu machen, doch es hilft natuerlich nichts. Wir muessen also weiter entlang der Strasse gehen.

Unser neuer Platz ist neben einer Kaserne gelegen und als wir das Schild hochhalten, kommt ein Kommandant vorbei. Er warnt uns vor dem Weg und macht uns klar, dass die Strasse fuer Auslaender gesperrt ist. Grund dafuer sind Aktivitaeten der PKK und anderer terroristischer Gruppen. Wir muessen also wieder durch die ganze Stadt laufen, um zu einer anderen Autobahn zu kommen. Die Strasse soll dieses Mal direkt am See entlang fuehren.

Trampen in der Tuerkei macht richtig Spass. Auch wenn Autos nicht in die gewuenschte Richtung fahren, lachen uns die Menschen an und winken uns zu. Wir beschliessen, dass Jess das Schild halten soll. Bill und ich halten uns etwas im Hintergrund, so sollte die ganze Sache ziemlich schnell funktionieren. Das ist dann auch der Fall und wir koennen bis nach Tatvan mitfahren. Auf dem Weg kommen wir an der Insel vorbei, auf die ich eigentlich wollte. Dafuer ist jetzt allerdings keine Zeit mehr, ein Foto im Vorbeifahren muss reichen.

Wir wollen eigentlich heute bis nach Silopi kommen, doch es wird spaeter und spaeter. Wir entscheiden uns also dafuer, erst nach Batman zu fahren und dann am naechsten Tag nach Silopi zu trampen. Bei einigen Staedten auf dem Weg sind wir uns nicht sicher wie es mit der aktuellen Sicherheitslage aussieht, also ist das die beste Option. Wir kommen mit einem weiteren Auto bis nach Bitlis und werden zu einer Busstation gebracht. Der Mann in der Station erklaert uns, dass wir einen Bus bis nach Batman nehmen koennen und im Anschluss nach Silopi. Das klingt alles sehr gut, also entscheiden wir uns, etwas Geld in die Hand zu nehmen und uns die Nacht in Batman zu sparen. Vor Abfahrt gibt es noch wahnsinnig leckere Pide und so geht es gut gestaerkt nach Batman.

Dort angekommen, erklaert uns der Fahrer, dass wir am falschen Busbahnhof sind. Als er anfaengt uns zu erklaeren, dass wir ein Taxi nehmen muessen, schuettelt er den Kopf und faehrt uns mit seinem Mini-Bus dort hin. An diesem Busterminal sehen wir sogar Busse, die direkt in den Irak fahren, also entscheiden wir uns fuer nicht ganz guenstige 60 Lira nach Duhok zu fahren. Die Fahrt ist angenehm, es gibt sogar Fernseher, Saefte, Wasser, den kompletten Service. Im Internet habe ich einiges ueber den Grenzuebertritt gelesen. Von sehr sehr gruendlichen Kontrollen, bis hin zu 1-2 stuendigen Interviews war alles dabei. Als wir aber an der Grenze sind, laeuft die ganze Sache sehr entspannt ab. Wir werden in einen Warteraum gebeten. Nach der Reihe werden die Passagiere des Busses aufgerufen und sie bekommen ihren Pass wieder. Ganz ohne Interview komme ich allerdings nicht davon, die Fragen sind aber mehr als einfach:

Where are you from? Austria

Where are you going to? Duhok and Erbil

Why do you want to Visit Iraq? Tourism

What is your profession? Student

Die Antworten waren einfach und befriedigend fuer den Grenzer und so bekomme ich meinen Stempel. Ich darf mich nun 15 Tage lang in der kurdischen Provinz, im Irak aufhalten. Der ganze Grenzuebertritt mit einem halb gefuellten Reisebus hat gerade einmal eine Stunde gedauert und so geht es in Richtung Sueden. Wir fahren vorbei an kilometerlangen Warteschlangen von LKWs, die in die Tuerkei wollen. Grossteils handelt es sich dabei natuerlich um Oel-Transporte.

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