Tag 58

Wir stehen um 6h30 auf. Draussen ist es noch dunkel, aber wir machen uns erst mal Fruehstueck. Es gibt Eier mit Brot, dass sollte uns etwas Kraft fuer den Tag geben. Wir packen unsere Sachen. Ich nehme 3 Liter Wasser und 1 Liter Coke mit, um etwas Energie von dem Zucker und dem Koffein zu erhalten. Insgesamt wiegt mein Rucksack rund 7 Kilo, doch ich nehme lieber ein paar Sachen mehr mit, als am Berg zu frieren oder durstig zu sein.

Um 8h00 steht das Taxi vor der Tuer und wir fahren rund eine Stunde eine enge Bergstrasse hinauf. Die Strecke von Byurakan bis zum Kari See ist eigentlich nicht lange. Die Strasse ist allerdings in einem sehr schlechten Zustand, so dass wir meist nur 20 – 30 km/h fahren koennen. Am Kari See befinden wir uns bereits auf rund 3100m. Der Taxifahrer wird hier auf uns warten, um uns anschliessend wieder nach Byurakan zu fahren.

Ich habe leider keine wirklich passende Hose fuer eine Wanderung im Schnee, also muss die Jeans her halten. Um keinen Schnee in die Schuhe zu bekommen, klebe ich meine Hose an die Schuhe und hoffe, dass das haelt. Ich habe zu Beginn noch eine etwas dickere Jacke an. Nach den ersten 100 Metern wird mir aber sofort warm und ich bin nur mehr mit der Windjacke unterwegs. Ken prescht vor und ich versuche Schritt zu halten. Zumindest auf den flachen Stuecken geligt mir das auch ganz gut.

Wir besprechen noch kurz den Weg und kommen zum ersten wirklichen Anstieg. Der Berg Aragats war fruher ein Vulkan und das merkt man vor allem am Gestein. Ab und zu gibt es soetwas wie einen Weg, doch zumeist muss man einfach ueber Geroell und Schnee wandern. Je weiter wir rauf kommen, desto kaelter wird es und je weiter wir am Grat entlang wandern, desto staerker wird der Wind. Ab und zu ist es schwierig die Linie zu halten, laut Wetterbericht sind heute rund 60km/h angesagt. Nach zwei Stunden sind wir dann auf dem suedlichen Gipfel (3879m). Es gibt sogar eine kleine Steinhuette in der wir uns kurz ausruhen koennen.

Ken fragt mich, ob ich noch Kraft fuer den westlichen Gipfel haette. Ich bin motiviert, also geht es durch den Schnee erst mal 200 Meter bergab. Wiedermals duerfen wir uns durch massenhaft Geroell kaempfen, um auf den Gipfel zu kommen. Ich merke, dass ich zu wenig getrunken und gegessen habe und spuere meine Kraefte schwinden. Nach etwas Brot und eiskalter Coke geht es dann aber wieder besser. Wir brauchen vom suedlichen bis zum westlichen Gipfel (4080m) rund eine Stunde. Der Gipfel ist von Wolken bedeckt und die Sicht ist schlecht, ich bin aber uebergluecklich es geschafft zu haben.

Auf dem Rueckweg versuchen wir so viel wie moeglich im Schnee zu gehen, da saemtliche Steine am Berg lose sind und man extrem aufpassen muss, nichts los zu treten. Wir umrunden dieses Mal den suedlichen Gipfel und gehen zurueck zum Taxi. Insgesamt haben wir 5 Stunden fuer die Tour gebraucht.

Beim Observatorium gibt es zur Belohnung eine warme Dusche und ein Bier auf der Veranda, in Byurakan hat es gefuehlte 20 Grad und wir koennen gut entspannen. Wir kochen uns Abendessen und bezahlen fuer das Hotel. Ich gehe heute einfach mal um 21h00 schlafen, da es in Byurakan, nachdem es dunkel geworden ist, einfach nichts zu tun gibt.

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Tag 57

Wie vereinbart, bin ich um 9h00 gepackt und bereit los zu gehen. Dan schlaeft allerdings noch. Ich wecke ihn auf und wir koennen erst um kurz vor 10h00 los. In der Zwischenzeit reden Ken und ich noch mit dem Rezeptionspersonal und wir erkundigen uns uber Schlafmoeglichkeiten. Die Wetterstation nimmt wohl zur Zeit keine Gaeste auf, also werden wir in einem Observatorium in Byurakan uebernachten.

Mit Dan und Ken gehe ich zum Bergsteig-Geschaeft. Hier wollen wir ein bisschen Ausruestung ausleihen, hauptsaechlich fuer Dan. Rund 30 Meter bevor wir das Geschaeft erreichen, meint Dan zu mir, dass er nicht genug Geld fuer die ganze Sache haette. Ich biete an, ihm etwas zu leihen, doch das will er auch nicht. Im Geschaeft besorge ich mir eine gute Gletscher-Sonnenbrille, da sonst ein ganzer Tag im Schnee fuer die Augen etwas anstrengend werden kann.

Ohne Dan, dafuer mit Sonnenbrille sind wir dann am Busbahnhof und warten auf den Fahrer. Wir haben leider die falsche Abfahrtszeit erhalten also sitzen wir rund zwei Stunden rum. Die Fahrt dauert gerade mal 1h30 und kostet weniger als einen Euro.

Ich habe noch keine Muetze fuer die Wanderung und so suchen wir in Byurakant, nach einem Geschaeft. Bis auf Lebensmittel gibt es aber in der Stadt (Dem Dorf?) nichts zu kaufen. Wir gehen also erst mal zu unserer Schlafmoeglichkeit, dem Observatorium. Dort werden wir nett begruesst und zu unserem Zimmer begleitet. Eigentlich haben wir nicht nur ein Zimmer, sondern ein ganzes Haus. Wir sind die Einzigen, die hier uebernachten. Die Saison ist schon lange vorbei und auf den Berg geht im November auch niemand mehr. Mein Muetzenproblem erledigt sich zum Glueck auch sofort, da mir die Vermieterin, eine von ihr leihen kann.

Wir wollen noch in ein Restaurant, oder eine Bar um etwas zu essen. In der ganzen Gegend gibt es aber bis auf die paar Lebensmittel-Geschaefte nichts. Gemeinsam kochen wir also und bereiten uns Snacks fuer die morgige Wanderung vor.

Um 21h00 kommt der Leiter des Observatoriums und bietet uns an, durch sein Teleskop zu schauen. Wir muessen dafuer insgesamt sechs Euro zaheln, dafuer sehe ich aber Jupiter und drei seiner 21 Monde.

Kurz nach der Fuehrung gehe ich ins Bett, es gibt hier schliesslich nichts, wofuer man wach bleiben muesste und wir wollen morgen um 6h30 aufstehen.