Tag 64

Frueh morgens marschiere ich zur Autobahn, die aus dem Iran kommt und in Richtung Van fuehrt. Ich warte nur ein paar Minuten, bis ein Mann in einem schicken schwarzen Auto haelt. Er traegt Anzug und Krawatte und spricht nur sehr wenig Englisch. Wir fahren gemeinsam mit rund 160 Km/h in den Sued-Westen und als wir ueber einen Berg fahren, sehe ich das erste Mal Schnee auf meiner Reise. Es dauert aber nicht lange und wir bewegen uns wieder bergab. Der Schnee verschwindet und wir machen in einem Dorf halt. Der Fahrer faehrt zur Apotheke und wir steigen beide aus. Wir unterhalten uns und zum Glueck spricht der Apotheker gut Englisch. Ein kleiner Junge bringt ein grosses Tablett voll mit Tee und wir lassen es uns gut gehen. Der Apotheker scheint ein wichtiger Mann in seinem Dorf zu sein, schliesslich macht er die Leute gesund und man sieht es den Kunden an, dass sie grossen Respekt vor ihm haben.

Es geht noch ein paar Kilometer weiter, bis der Geschaeftsmann nach rechts abbiegt und ich nach links weiter muss. Er laesst mich aussteigen, wir verabschieden uns und ich trampe weiter. Mit dem naechsten Auto fahre ich dann entlang des Van Sees, der wirklich wahnsinnig schoen aussieht. Das Wasser ist azurblau, links und rechts sind die Berge.

Kurz vor der Stadt werde ich raus gelassen, mit einem Bus fuer 70 Cent geht es dann ins Stadtzentrum. Ich beschliesse erst mal etwas zu essen. Anschliessend geht es in ein Internet Cafe. Ich habe ein paar Couchsurf Anfragen fuer Van vor zwei Tagen abgeschickt und noch keine Antwort bekommen. Auch in diesem Internet Cafe aendert sich an der Situation nichts. Ich frage den Jungen an der Kasse, ob er mir ein guenstiges Hotel empfehlen kann und so komme ich in das Hotel Emre. Fuer rund 12 Euro bekomme ich ein Zimmer und bin zufrieden damit.

An der Rezeption treffe ich Bill, er kommt aus Australien und erzaehlt mir, dass noch zwei weitere Backpacker im Hotel sind. Niels, aus Holland, Jess aus Australien, Bill und ich beschiessen darauf hin, in eine Bar zu gehen. Es gibt nicht wirklich viel Auswahl an Bars, doch wir finden eine. Die Preise sind vergleichbar mit Salzburg, dazu gibt es aber Pistazien, Karotten und Gurken. Jeder erzaehlt seine Geschichte, wo man schon war, wo es hingeht und wie lange man schon unterwegs ist. Fuer Niels geht es in den Iran, er hat bereits das Visum. Jess und Bill haben sich in Istanbul gefunden und reisen seitdem gemeinsam. Sie wollen ebenfalls in den Iran, fuer Australier ist das Visum allerdings etwas problematischer. Sie muessen noch bis Dezember warten und das exakte Datum fuer das Visum steht noch nicht fest. Ich rede ueber meine Reise und dass ich in den Irak will, Bill und Jess horchen auf und wirken interessiert. Sie wollen aber vorher noch etwas im Internet recherchieren, wie sicher die kurdische Region im Irak wirklich ist.

Tag 63

Es geht frueh morgens los. Die Kinder werden in die Schule gebracht und mich faehrt Yenok noch ein paar hundert Meter vor das Dorf. Dort stehe ich auch nicht lange, das 2. Auto nimmt mich ein paar Kilometer mit. Der Fahrer arbeitet in einer Tankstelle und wir fruehstuecken gemeinsam. Ich hatte eigentlich schon reichlich Fruehstueck bei Yenok, aber ein Nein wird nicht akzeptiert. Zum Abschied gibt es noch 4cl Vodka und ich mache mich wieder auf den Weg.

Bald erreiche ich Akhalkalaki und ich sehe ein Schild mit der Aufschrift „Turkish Border“. Als ich allerdings ein Auto stoppe und dem Fahre sage, dass ich in die Tuerkei will, meint er, dass dieser Grenzuebergang geschlossen waere. Von nun an geht es immer nur ein paar Kilometer vorwaerts in die naechste Stadt. Von Akhaltsikhe aus, stoppe ich dann ein Auto, dass bis zur Grenzstadt faehrt. Als ich mit dem Fahrer rede, meint er, dass er mich sogar bis zur Grenze fahren koennte, da es hier keinen wirklichen PKW-Verkehr gibt.

Die Grenze ueberquere ich zu Fuss. Die Grenzbeamten sprechen sogar Englisch und fuer 20 Dollar bekomme ich ein tuerkisches Multiple-Entry-Visa fuer 90 Tage. Auf der tuerkischen Seite ist einiges an Militaer und genau 0 Autos. Ich muss also warten, bis einer der LKWs die Zollkontrolle beendet. Nach 20 Minuten ist es dann so weit und der erste Truck nimmt mich mit. Der Fahrer kommt aus dem Iran und wir trinken gemeinsam Tee, rauchen Zigaretten und unterhalten uns sechs Stunden lang ueber Sex. Es ist wirklich ein Wahnsinn, er erzaehlt mir, mit welchen Prostituierten in welchem Land er etwas hatte. Warum man in islamischen Laendern nur Analsex vor der Ehe hat, dass er auch nichts gegen kleine Jungs hat und und und… Ich versuche das Gespraechsthema in eine andere Richtung zu lenken, wir landen aber immer wieder beim Thema Sex.

Immerhin ist die Landschaft waehrend der Fahrt wunderschoen. Wir fahren ueber zahlreiche Berge und ich sehe viele kurdische Doerfer an der Strasse. Wir befinden uns zwar in der Tuerkei, das Gebiet ist aber hauptsaechlich von Kurden bewohnt und inoffiziell wird die Gegend als Kurdistan bezeichnet. Auf der Fahrt passieren wir auch ein paar Militaer-Checkpoints. Der Fahrer wird aber nicht gestoppt, sondern winkt dem Militaer vertraut zu. Auch an einem kaputten LKW kommen wir vorbei. Das Militaer sichert die Unfallstelle. Von der Fahrerkabine ist nicht mehr viel uebrig.

Es wird dunkel und wir erreichen Dogubayazit, eine Stadt in der Tuerkei, die nicht weit von Armenien und dem Iran liegt. Der Fahrer faehrt weiter in den Iran und ich steige irgendwo am Stadtrand aus. Ich habe noch immer keine Landeswaehrung, also frage ich nach einem Bankomaten. Die Menschen hier sind nett und nicht wirklich viele Touristen gewohnt. Ein Mann begleitet mich ein paar hundert Meter, um mich zur Bank zu bringen.

Den Abend verbringe ich mit Internetrecherche und der Suche nach Essen. Es ist 17h00, doch alle Geschaefte sind geschlossen. Ich finde dann doch noch ein Geschaeft und der Verkaeufer erklaert mir, dass er wohl nur illegalerweise offen hat – komische Stadt. Ich finde auch ein sehr guenstiges und leider auch sehr dreckiges Hotel, aber fuer 8 Euro die Nacht ist das ok. Ich beschliesse in meinem Schlafsack zu schlafen und die Bettlaken nicht zu benutzen.