Tag 45 – Kaukasus

Im Hotel gibt es noch einen Tee und los geht die Reise. Ich will heute den Kaukasus ueberqueeren und noch vor Sonnenuntergang in Tiflis sein. Ich entscheide mich wieder gegen das Trampen, da die Grenze so gut wie nicht befahren wird. Georgier duerfen sowieso nicht nach Russland und Russen wohl erst seit kurzem nach Georgien. Die Grenze ist seit rund einem Jahr offen und sie ist damit die einzige Moeglichkeit auf dem Landweg von Russland nach Georgien einzureisen.

Mit der ersten Maschrutka geht es nach Nazran. Von dort will ich nach Vladikavkas, die letzte Stadt vor der Grenze. Doch irgendwie sehe ich keine Maschrutka, also frage ich ein paar Menschen. Einer davon kommt aus Aserbaidschan und erzaehlt mir, dass er wohl das selbe Reiseziel hat wie ich. Wir wollen uns schon ein Taxi fuer die 15 Minuten Fahrt nach Vladikavkas organisieren, als dann doch noch die Maschrutka kommt. Wir fahren wieder durch einen Militaer-Checkpoint und dieses Mal muessen alle Passagiere die Paesse abgeben und ich werde zur Gepaeckkontrolle gebeten. Ich fange also an meine Sachen auszupacken: Ein T-Shirt, eine Jeans, ein T-Shirt, ein Pullover, ein T-Shirt… Irgendwann wird es dem Militaer-Typen dann auch zu bloed und wir koennen weiterfahren.

Wir kommen im noerdlichen Busbahnhof an und da es keine Busverbindung von Russland nach Georgien gibt, muessen wir ein Taxi nehmen. Wir fragen also einen Taxifahrer wie viel er fuer die Fahrt nach Tiflis haben will. Er will uns fuer 1500 Rubel pro Person mitnehmen, das ist uns aber zu teuer, also fahren wir mit dem Bus zum suedlichen Busbahnhof. Dort fragen wir wieder ein paar Taxifahrer und nach etwas Verhandeln koennen wir fuer 1000 Rubel (25 Euro) fahren. Die Fahrt ist landschaftlich der Wahnsinn. Wir fahren entlang eines kleinen Flusses und kommen so zwischen den Bergen durch.

Die Grenzkontrolle ist mehr als einfach. Ich werde nur gefragt welches Gepaecksstueck meines ist, oeffnen muss ich nichts. Am georgischen Schalter bekomme ich dann sofort einen Stempel fuer 360 Tage Aufenthalt, ohne dass ich irgendwelche Visagebuehren zahlen muss. Die Strasse in den Bergen ist mehr als schlecht. Der Taxifahrer muss Schlangenlinie fahren, um nicht jedes Schlagloch zu treffen. Dafuer werden wir mit einer tollen Aussicht entschaedigt. Gruenes Gras gibt es zwar nicht mehr, dafuer sind schon einige Berge mit Schnee bedeckt.

Als ich in Tiflis ankomme ist es kurz vor Sonnenuntergang. Ich frage nach dem Weg und bin begeistert, dass ich die Antwort gleich auf Englisch bekomme. Fuer die ersten drei Naechte werde ich im Tiblisi Hostel schlafen. Die Waende sind von ehemaligen Gaesten zugetextet und bemalt. Von einer Entschuldigung weil irgendjemand vor die Tuer gekotzt hat, bis zu Lebensweisheiten findet man hier alles.

Am Abend packt Badri, der Hostelleiter, ein georgisches Nationalgetraenk aus: Cha Cha. Damit ist ein 56% Traubenschnaps gemeint. Da Georgien ein Weinland ist, gibt es dementspechend viel davon.

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Tag 44

Mit Renat trinke ich noch etwas Tee und wir essen Fladenbrot mit Nuessen. Die Zeit vergeht relativ schnell und ich verabschiede mich erst um 13h30. Es geht heute nach Grozny. Die Distanz ist relativ kurz, aber ich entscheide mich fuer die Maschrutka und gegen Trampen, da es wohl die sicherere Methode ist. Ausserdem kostet die Fahrt gerade mal 5 Euro und ich weiss, dass ich schnell dort bin. Auf der Fahrt passieren wir einige Militaer- und Polizei-Checkpoints. Natuerlich sind wieder alle mit Schutzwesten und Kalaschnikows ausgeruestet. Die Checkpoints an sich sind mit Sandsaecken befaestigt. Normale Autos werden kontrolliert und muessen etwas Bestechungsgeld zahlen, unsere Maschrutka bleibt allerdings unbeachtet.

Gegen Nachmittag sind wir dann in Grozny und ich frage nach dem Weg. Ein Mann erklaert mir etwas, ich verstehe aber nur die Haelfte. Er steigt schon in seine Maschrutka ein und ich gehe auf die andere Strassenseite. Als er allerdings merkt, dass ich keinen Plan habe, wohin ich gehen soll, steigt er wieder aus. Wir fahren gemeinsam mit einer anderen Maschrutka zum Hotel und die letzten paar Meter gehen wir zu Fuss. Die ganze Sache dauert rund 40 Minuten, aber er besteht darauf, dass er mich direkt vor die Haustuer bringt.

Bei der Hotelsuche hatte ich Glueck, dass Renat mir einen Tipp gegeben hat. Normalerweise gibt es in Grozny nur Business-Hotels fuer 100 Euro die Nacht. Ich naechtige heute fuer 25. Am Emfpang ist nur ein Wachmann, ich kann aber trotzdem einchecken. Als ich dann das Hotel wieder verlasse, spricht mich jemand an. Es ist der Hotelmanager und sein Freund. Der Freund hat einen MBA in London gemacht und spricht desshalb sehr gut Englisch. Sie beschliessen mir die tschetschenische Gastfreundschaft zu zeigen und wir fahren zu den wichtigsten Sehenswuerdigkeiten. Alles in der Stadt ist neu, Strassen, Kinos, Theater, Stadion, Moschee, Haeuser… Vom Krieg sieht man nichts mehr. Russland sieht zu, dass es in der Region ruhig bleibt. Die Moschee ist wohl eine der groessten in Europa und wirklich eindrucksvoll. Gemeinsam gehen wir auch ins Innere und ich kann mir das Ding etwas genauer ansehen.

Ich hatte heute nur etwas Brot und werde schoen langsam hungrig. Gemeinsam gehen wir in ein Restaurant und essen ein traditionell tschetschenisches Gericht. Damit ist ein Stueck Fleisch mit Knochen gemeint. Als Beilage gibt es eine Art Spaetzle, Knoblauchsosse und das Wasser in dem das Fleisch gekocht wurde. Magomed besteht besonders darauf, dass ich das Wasser probiere und ich muss sagen, es schmeckt wirlich gut. Es geht wieder zurueck ins Hotel und ich kann fuer zwei Stunden entspannen.

Magomed klopft an meiner Tuer und wir fahren wieder durch die Stadt. In einem Einkaufszentrum fragt er mich: „Stefan, do you want to shoot?“ Da ich noch nie mit einer echten Waffe geschossen habe, bin ich vollauf begeistert. Wir gehen in den Keller, ich muss meinen Pass abgeben und bekomme dafuer eine 9mm Pistole in die Hand gedrueckt. Nach einer kurzen Einfuehrung geht es los. Ich habe 10 Patronen und muss von 20 Meter Entfernung 10 Ziele treffen. Als ich das erste Mal schiesse, spuere ich gleich Adrenalin in meinem Koerper. Es ist ein schraeges Gefuehl ein kleines Etwas in der Hand zu haben mit dem man sehr leicht sehr viel Schaden anrichten kann. Ich schaffe 9 von 10 Treffer und die Tschetschenen haben sofort einen riesen Respekt. Sie glauben mir nicht, dass ich noch nie mit einer Pistole geschossen habe. Wieder im Hotel angekommen, reden wir ueber Waffen. Der Hotelmanager erzaehlt mir, dass er vor einem Jahr eine Kalaschnikow hatte und ich diese ebenfalls ausprobieren haette koennen. Ich bin aber zu spaet in Grozny, also soll die Pistole erst mal reichen.

Es ist Zeit sich wieder etwas zu enstpannen also rauchen wir gemeinsam Wasserpfeiffe und sehen uns Makhachkala gegen Liverpool im Fernsehen an. Ich erkundige mich ueber den Weg nach Georgien und bekomme gleich ein paar gute Tipps wie und wo ich fahren soll. Vor ein paar Monaten ist wohl ein Militaer-Checkpoint explodiert und eine Strasse ist gesperrt.