Tag 81

Ich stehe gegen 8h00 auf, um mit dem Fahrer von gestern um 9h00 das Haus zu verlassen. Wir fruehstuecken vorher noch kurz und er meint, dass er in Richtung Goereme faehrt, zumindest habe ich das so verstanden. Als wir dann durch die Stadt fahren, haelt er am Busbahnhof und will mich zum Busfahren bewegen. Ich sage ihm, dass ich lieber Autos stoppe, doch er geht in den Busbahnhof. Als er wieder raus kommt haelt er ein Ticket bis nach Avanos in der Hand. Von dort kann ich dann fuer rund einen Euro nach Goereme fahren – auch ok.

Als ich mich Goereme naehere, sehe ich schon die spektakulaeren Felsformationen. Ich habe mir vorher keine Fotos von der Region angeschaut und so wirkt alles noch eindrucksvoller. In Goereme suche ich dann mein Hostel, da es nur ein paar Strassen gibt, ist das nicht besonders schwer. Die Unterkunft macht gleich einen guten Eindruck, doch zu meiner Ueberraschung sind fast alle Betten belegt. Es ist eigentlich starke Nebensaison, aber wenn ein Bett pro Nacht rund 6 Euro kostet, finden sich wohl immer genuegend Leute.

Auf der Terasse repariert ein Japaner gerade sein Fahrrad. Als wir so reden, erzaelt er mir, dass er schon seit 14 Monaten unterwegs ist und von Bali gestartet ist. Den gesamten Weg hat er mit Muskelkraft bewaeltigt, ausgenommen sind wohl ein paar kleine Bootsfahrten in Indonesien. Er gibt mir auch gleich ein paar Tipps, so dass ich die letzten verbleibenden Sonnenstunden noch ausnutzen kann.

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Es geht zuerst eine Strasse den Berg hoch, irgendwann geht dann ein schmaler Pfad links der Strasse ab. Der Weg fuehrt durch Felsspalten in Richtung Red Valley. Auf dem Pfad sehe ich eindrucksvolle Felsformationen. In den Felsen befinden sich viele Hoelen und Eingaenge. Christen haben sich hier vor diversen Feinden versteckt und versuchten so auch der Islamisierung zu entgehen.

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Ich gehe weiter zum Rose Valley und will mir eigentlich eine alte Kirche ansehen. Der Eingang ist allerdings verschlossen. Entweder muss man hier mit einer Tour unterwegs sein, oder es liegt an der Nebensaison, aber das dicke Schloss scheint unueberwindbar. Ich gehe also weiter in das Tal und sehe mich um.

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Bald treffe ich auf einen Mann der gerade Baeume schneidet. Ich bin mir mit der Route nicht sicher, also frage ich ihn um Hilfe. Es stellt sich bald heraus, dass er frueher LKW-Fahrer war und relativ gut Deutsch spricht. Er verraet mir den Weg zum Hintereingang der eigentlich verschlossenen Kirche. Ich klettere also den Felsen hoch und finde ein kleines Loch, das in die Kirche fuehrt.

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Nachdem ich wieder vom Felsen runter bin, gibt mir der Mann noch ein paar Trauben und wir trinken Tee. Die Sonne wird bald untergehen und so klettere ich zu einem Aussichtspunkt hoch. Von hier kann man das Tal wunderbar ueberblicken und je weiter die Sonne untergeht, desto schoener werden die Farben.

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Allzulange kann ich aber nicht bleiben, da ich ja wieder zurueck zum Hostel muss und keine Taschenlampe dabei habe. In der Unterkunft spielen wir wieder Backgammon und trinken Tee. Wir gehen alle frueh schlafen, da morgen wohl der letzte schoene Tag in Goereme ist. Danach soll es regnen und bald kommt auch hier der Schnee. Heute war aber zum Glueck noch T-Shirt Wetter.

Tag 80

Der Tag heute ist ausschliesslich zum Trampen gedacht. Von Bismil bis nach Goereme sind es 727 Kilometer. Laut Google Maps sind dafuer 10h30 veranschlagt. Ich bin also gespannt, ob ich alles an einem Tag schaffe. Die Sonne geht mittlerweile viel zu frueh unter und so muss ich um 16h30 schon im letzten Auto sitzen, da Trampen in der Dunkelheit nicht wirklich einfach ist.

Ich stehe also um 6h30 auf und packe alles zusammen. In einem Geschaeft bekomme ich etwas Karton und schreibe die naechste Stadt darauf, um sicherzugehen, dass die Fahrt ueber die sichere noerdliche Route und nicht an der Grenze Syriens entlangfuehrt. Es dauert leider ewig bis ich die richtige Strasse zum Trampen finde, da mir irgendwie jeder Passant andere Informationen gibt. Ein paar schicken mich zum Busbahnhof, andere einfach irgendeine Strasse runter, die ins Nichts fuehrt. Irgendwann habe ich es dann aber geschafft und ein Auto nimmt mich mit. Der Fahrer ist Kurde und wir fahren gemeinsam bis nach Diyarbakir, als ich von meiner Reise durch Kurdistan erzaehle, freut er sich. Er laedt mich noch zum Fruehstueck ein und so essen wir Pide und trinken Tee. Er faehrt zwar nicht mehr aus der Stadt raus, bringt mich aber noch an eine Strasse die nach Elazig fuehrt.

Als ich an der Strasse stehe, bekomme ich einen sanften Hieb mit einem Stock auf die Schulter. Ich drehe mich um und hinter mir steht ein rund 70 jaehriger Hirte, der sich nicht ganz auskennt, was ich hier mache. Ich versuche es ihm zu erklaeren, da ich aber so gut wie kein Tuerkisch kann, hat das alles keinen Sinn. Ich entferne mich also von ihm und seinen 50 Schafen.

Nach einer halben Stunde werde ich dann mitgenommen. Der Fahrer ist Vertreter und gerade auf einer Geschaeftsreise nach Elazig unterwegs. Als wir so reden, stellt sich heraus, dass er nach seinem Termin bis nach Kayseri faehrt. Die Stadt liegt in der Nähe von Goereme, also will ich den Geschaeftstermin abwarten und dann wieder mit ihm mitfahren. In Elazig fahren wir in ein riesen Textilgeschaeft und es gibt wieder mal Tee. Der Fahrer verhandelt rund 2 Stunden und ich unterhalte mich derweil mit einem anderen Angestellten, der frueher in Deutschland gearbeitet hat.

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Das Geschaeft ist abgeschlossen, also geht die Fahrt weiter. Wir haben gutes Wetter und machen eine Raucherpause bei einem See. Das ist ueberigens der erste Fahrer, mit dem ich mitgefahren bin, der zwar raucht, dafuer allerdings stehen bleibt. Gerade in der Tuerkei ist das hoechst selten. Trotz Rauchverbot in Cafes und Restaurants wird hier ueberall gequalmt.

Wir kommen in Kayseri so gegen 19h00 an, es macht also keinen Sinn heute noch weiter nach Goereme zu trampen. Der Fahrer steuert ein Wohnhaus an und steigt aus. Er fordert mich auf ihm zu folgen und so betreten wir seine Wohnung. Es empfangen uns sein Sohn und seine Frau. Der Sohn ist 23 Jahre alt und studiert derzeit in Zypern. Zum Glueck spricht er Englisch und so kann er fuer den Rest der Familie dolmetschen. Wir essen alle gemeinsam und es dauert nicht lange, bis die Frage nach meiner Unterkunft kommt. Ich erklaere ihnen, dass ich mir wohl ein guenstiges Hotel suchen werde. Als sie das hoeren, bieten sie mir einen Schlafplatz in der Wohnung an. Mich freut das natuerlich und so kann mir Ouz, der Sohn, die Stadt zeigen.

Wir fahren auf einen Huegel um ueber Kayseri zu blicken. Die Stadt ist nicht wirklich besonders, sie steht aber im starken Kontrast zu dem was ich die letzten Wochen so gewohnt war. Die Strassen sind gerade und sauber, alles wirkt relativ neu und die Gebaude sind deutlich hoeher. Als wir den Huegel wieder hinunter fahren, erklaert mir Ouz, dass es in seiner Stadt keine Bars gibt. Wir fahren also in ein Cafe. So schlimm ist die Sache auch nicht, ich will ja morgen wieder frueh aufstehen.

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Im Cafe spielen wir Backgammon und trinken Tee. Es ist schon eine Weile her, dass ich das Spiel gespielt habe, aber die Regeln sind ja nicht allzu kompliziert. Irgendwann ist es dann Mitternacht und wir machen uns auf zur Wohnung.