Tag 32

Heute ist wieder mal Reisetag, das heisst wieder frueh aufstehen, Sachen packen.. das Uebliche. Maria und Max bringen mich noch zur Busstation und ich fahre zum Bahnhof. Ich brauche etwas bis ich das richtige Gleis gefunden habe, da man zu bestimmten Gleisen einen anderen Eingang nehmen muss. Ich bin aber rechtzeitig im Zug und es geht nach Moskau. Ich schlafe fast die ganze Fahrt und nach ein paar Stunden bin ich auch schon da.

In einem Einkaufszentrum treffe ich mich mit Viktoria, die mir meine EC-Karte gibt. Endlich kann ich wieder Geld abheben. Da ich meinen Rucksack dabei habe und Moskau schon ganz gut kenne, beschliesse ich einfach zum anderen Bahnhof zu fahren, von dem mein Zug nach Volgograd geht. Ich besorge mir noch etwas Reiseproviant und warte auf den Zug. Eine Stunde bevor der Zug abfaehrt, treffe ich mich noch mit Anna, einer Musikstudentin aus Moskau. Wir reden ein bisschen, sie bringt mich noch zu meinem Wagon und sagt mir, dass ich wohl in einem neueren Wagon fahren duerfe. Glueck gehabt.

Die Zugfahrt wird insgesamt 21 Stunden dauern und als ich mich hinsetze, schweigen alle. Keiner redet ein Wort, nichts. Als ich dann den Schaffner etwas frage, merken alle, dass ich kein Russe bin. Zum Glueck kann ein Mann gegenueber von mir etwas Englisch und so koennen wir uns mehr oder weniger gut unterhalten. Er uebersetzt auch fuer die Anderen, die sich sehr fuer meine Reise und fuer Oesterreich interessieren. Wir unterhalten uns bis Mitternacht, dann geht es ab ins Bett.

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Tag 29

Der Tag beginnt frueh, ich stehe mit Nikita und seiner Mutter auf, packe meine Sachen und gemeinsam fahren wir zur Metrostation. Bevor ich allerdings Richtung Autbahn fahre, besorge ich mir noch etwas zu trinken. Zum Essen habe ich dieses Mal nur zwei Bananen, da es nach Nizhny Novgorod allerdings gerade einmal etwas ueber 300 Kilometer sind, sollte der Proviant reichen.

Um 8h30 bin ich an der Autobahn und ich versuche zu Trampen. Es gestaltet sich schwieriger als gedacht, aus Moskau raus zu kommen. Die ganze Zeit halten private Taxis und fragen mich, ob ich nicht etwas Geld fuer die Strecke zahlen will. Ich verneine natuerlich und warte auf eine Gelegenheit ohne Geld. Endlich kommt ein Auto, das mich allerdings nur 5 Kilometer mitnehmen kann. Immerhin komme ich so ausserhalb der Reichweite der Taxis. Der Platz an dem ich rausgelassen werde, ist allerdings schlecht zum Trampen, also gehe ich einen Kilometer zu Fuss. Ich habe Glueck und nach fast einer Stunde kann mich ein Auto rund 150 Kilometer mitnehmen. Doch auch hier werde ich wieder an einer schlechten Stelle rausgelassen. Direkt vor der Autobahnauffahrt in Richtung Nizhny Novogorod stehe ich im Nichts. Ich sehe nur braune Felder und Baeume und eine Strasse auf der fast nur LKWs fahren und die bleiben nur in den seltensten Faellen stehen.

Dieses Mal muss ich fast 5 Kilometer gehen, bis ich zur naechsten Tankstelle komme. Bei 6 Grad Aussentemperatur und ohne Sonne wird mir relativ kalt und ich ueberlege, ob ich die Winterjacke aus dem Rucksack holen soll. Die Jacke ist allerdings ganz unten verstaut, also beschliesse ich noch etwas durchzuhalten. Erst nach knappen zwei Stunden werde ich mitgenommen. Ein LKW haelt an und ich kann fast bis nach Nizhny fahren. Der Fahrer spricht nur Russisch, trotzdem koennen wir uns ganz gut unterhalten. Er zeigt mir alle moeglichen Bilder von seiner Familie und bittet mich, einen Geburtstagsgruss fuer seine kleine Tochter auf seinem Handy aufzunehmen. Er bietet mir etwas zu essen an und da ich meine zwei Bananen laengst gegessen habe, freue ich mich umso mehr. Er klappt sein Bett auf, darunter befindet sich eine kleine Kueche. Ich bekomme ein Brot mit zwei dicken Scheiben Wurst, eine Gurke, Kaffe und etwas Samagon. Das ist selbstgemachter Schnaps. Er schuettet ganz schoen was ein und ich frage, ob ich das alles in einem Schluck trinken soll. Natuerlich ist die Antwort Ja 🙂

Es wird dunkel und wir sind fast an seinem Zielort, eine kleine Stadt 30 Kilometer vor Nizhny. Trampen macht im Dunkeln keinen Sinn, es gibt auch keine Strassenbeleuchtung, also fragt er mich, ob wir uns nicht gemeinsam betrinken wollen. Ich vertraue dem Samagon allerdings nicht zu 100 Prozent und lehne ab. Er zeigt mir eine Bushaltestelle, die mich nach Nizhny bringen soll. Im Bus erfahre ich dann, dass ich so nicht nach Nizhny fahren kann. Ein Fahrgast zeigt mir allerdings den Bahnhof und ich kaufe mir fuer 1,50 Euro ein Ticket.

Ich muss ueber zwei Stunden auf den Zug warten und natuerlich falle ich sofort mit meinem Rucksack auf. Ich werde von einem Maedchen angesprochen, die sehr gut Englisch spricht. Ihr Freund wohnt in Berlin und so haben wir gleich ein Gespraechsthema. Als wir in Nizhny ankommen, werde ich sogar von ihren Freunden direkt vor die Haustuere von Maria und Max gefahren, meine Couchsurf-Hosts. Um 23h00 essen wir noch gemeinsam Kartoffeln mit einer sehr leckeren Pilzsosse, dann geht es ab in die Heia.

Tag 28

Als ich aufstehe, ist der Himmel wieder mal grau in grau. Ich beschliesse trotzdem, mir zwei Parks anzusehen. Ich gehe einige Zeit durch den Gorky Park, aber irgendwie ist der ziemlich langweilig. Immerhin gibt es dort ein altes Sovjet Space Shuttle zu betrachten. Ich gehe noch den restlichen Park ab, aber bis auf Restaurationsarbeiten und Muellmaenner sehe ich aber nicht viel.

Nikita hat mir noch einen anderen Park verraten. Ich fahre natuerlich mit der Metro hin und als ich aussteige sehe ich erst mal nur lauter kleine Laeden die alle etwas heruntergekommen aussehen. Es sieht fast so aus wie in einer Bahnhofgegend, es gibt viele Schlagloecher und viel Dreck. Nach 5 Minuten Fussmarsch sehe ich dann aber den Park Tsaritsyno. Ein wirklich schoener, sehr gepflegter Park. Armeen von Gaertnern kuemmern sich um die Gruenflaechen und ich gehe ueber einen Teich zum Haupthaus. Das Anwesen wurde im 16. Jahrundert errichtet und gehoerte zwischenzeitlich Katherina der Grossen. Demenstprechend gross ist dann auch der Wald hinter dem Haus. Auf befestigten Wegen kommt man zu verschiedenen Teichen. Ich schaffe es nicht den ganzen Park abzulaufen, da er einfach zu gross ist.

Mir wird dann aber auch kalt. Draussen hat es rund 5 Grad und ich habe meine Winterjacke noch nicht ausgepackt. Da Nikita noch etwas in der Uni bleiben muss, sehe ich mir stattdessen noch ein paar Metrostationen an. Im Untergrund ist es schoen warm, somit der perfekte Zeitvertreib. Ich hatte ja schon mal ueber die Metro in Moskau geschrieben, aber ich habe mir heute wirklich 1h30 Zeit genommen um viele verschiedene Stationen zu sehen. Das ist besser wie jeder Museumsbesuch und sogar noch gratis. Jede Station sieht anders aus und immer wieder eindrucksvoll. Ich stoppe auch mal die Zeit, wie lange man eigentlich mit der Rolltreppe nach unten faehrt. Bei der Station Park Pubedy komme ich auf 2 Minuten 40 Sekunden.

Zum Berufsverkehr sind alle Metrostationen natuerlich brechend voll, es ist aber alles sehr gut geregelt. Die Menschenmassen bewegen sich im ewig gleichen Tempo aneinander vorbei. Niemand bleibt stehen, niemand sieht sich um, niemand lacht. Es kommt mir ein bisschen vor wie im Film Metropolis.

Irgendwann ist dann auch Nikita fertig mit seiner Praesentation und wir gehen gemeinsam Billiard spielen. Da ich ja in den Kaukasus reisen will, fuehrt er mich in eine heruntergekommene Billardbar, in der wohl ab und zu Menschen aus der Region spielen. Gleichzeitig ist es wohl der guenstigste Ort um Billiard zu spielen. Die Kugeln sind zwar nicht ganz rund und der Tisch nicht ganz gerade, es macht aber trotzdem Spass.

Als wir wieder bei ihm zuhause sind, ist seine Mutter auch da. Sie kann leider kein Englisch, ist aber sehr interessiert an Oesterreich und meiner Reise. Nikita kann zum Glueck dolmetschen .

Tag 27

Ich versuche Dmitry zu erreichen, um endlich genaueres wegen dem Trip aufs russische Land zu erfahren. Der Ruf geht auch einmal hin, es hebt aber leider keiner ab. Ich gehe daraufhin zum Bahnhof und kaufe mir ein Ticket im Schlafwagon nach Volgograd, fuer Samstag. Der ganze Spass kostet gerade einmal 30 Euro und dafuer faehrt man dann 21h mit dem Zug.

Da der Freund von Valeriyas Schwester kommt, darf ich wieder mal den Host wechseln. Diesesmal geht es zu Nikita, den ich bei dem Couchsurf-Treffen kennengelernt habe. Ich bin sein erster Couchsurfer und er ist wirklich sehr bemueht, damit alles passt. Er hat am naechsten Tag eine Praesentation in der Uni, wir unterhalten uns aber trotzdem bis 23h00.

Ich hoffe noch immer auf einen Anruf von Dmitry. Nachdem ich ihn ein paar mal angerufen habe, bekomme ich endlich einen Rueckruf. Die Verbindung ist bei Nikita leider relativ schlecht, ich verstehe aber, dass das mit dem Ausflug wohl nichts wird. Dmitry fahert erst am Samstag aufs Land und da geht ja mein Zug nach Volgograd. Ich verbringe den restlichen Abend damit, dass ich verschiedene Leute auf Couchsurfing anschreibe und hoffe, dass ich fuer die naechsten Tage irgendwo hin kann.

Tag 26

Ich kuemmere mich heute nochmals um mein Geldproblem. Nach einem kurzen Skype Gespraech mit den Eltern steht der Plan: Ich bekomme meine Bankkarte per Express zugeschickt und waehrend ich nicht in Moskau bin, nimmt Valeriyas Schwester die Karte entgegen. Bevor ich dann am Samstag nach Volgograd fahre, treffe ich mich mit ihr und ich komme endlich wieder leicht an Geld.

Gegen Abend treffe ich mich dann mit Basha und Alex in der Naehe des Fussballstadions. Auf der Fahrt dorthin sehe ich in jeder Metrostation massenhaft Polizei mit Helm und Schlagstock. Ich hoffe, dass ich nicht kontrolliert werde, da ich meinen Reisepass natuerlich zuhause gelassen habe und noch keinen Personalausweis habe. Die Polizei kontrolliert in Russland aber generell keine Weissen, nur Menschen aus Mittelasien werden staendig kontrolliert.

Wir trinken noch zwei Bier bei Burgerking, da alle Bars in der Gegend voll sind und fahren noch eine Station zum Stadion. Dort gibt es dann noch mehr Polizei, auf Pferden, mit Hunden, mit Helm, ohne Helm, mit Schutzweste, ohne Schutzweste und das Militaer hilft auch noch aus.

Auf dem Weg zum Stadion werden die Fans der zwei Teams separiert und bis wir auf unseren Plaetzen sind, durchlaufen wir rund 7 Koerperdurchsuchungen. Die Stimmung ist wirklich gut und es gibt sogar eine Choreographie zu Beginn des Spieles. Neben weissen Tuechern werden massenhaft bengalische Feuer eingesetzt, das Spielfeld ist vernebelt, das Spiel startet aber puenktlich. Nach 20 Minuten passiert es dann, CSKA schiesst ein Tor und die Hoffnung auf den Sieg schwindet.

Das Spiel endet 0:2 und wir gehen rund 3 Minuten vor Abpfiff. Trotzdem staut es sich beim Metroeingang. Ich fahre zurueck zu Valeriya und wir sehen uns noch einen Film ueber Lev Tolstoy an.

Tag 25

Ich schlafe mich nach letzter Nacht erst mal richtig aus. Als ich aufwache, geht der erste  Weg direkt zum Laptop. Wie soll ich meine Karte sperren, wenn ich nicht nach Deutschland telefonieren kann? Zum Glueck funktioniert das ueber das Onlineportal der Bank und ich bin fuers Erste beruhigt. Ich muss heute generell einige Dinge regeln im Bezug auf neue Karten, Eltern verstaendigen und so weiter. Das nimmt auch den ganzen Restnachmittag in Anspruch. Ich unterhalte mich noch mit Valeriya ueber meine Plaene. Ich will eigentlich gerne mal ein russisches Dorf sehen und sie zeigt mir daraufhin eine Couchsurfing-Aktivitaet. Ein Typ will am 9. Oktober in sein kleines Haeuschen am See fahren und laedt einfach jeden ein, der Lust darauf hat. Das hoert sich fuer mich sehr gut an und so beschliesse ich dort mit zu machen. Ich erreiche ihn nur ganz kurz, da er gerade nicht in Russland ist, er meint aber, dass alles klappen wird und wir beenden das Gespraech.

Am Abend komen ein paar freunde von Valeriya vorbei und wir stossen schon wieder gemeinsam an, dieses Mal aber nur mit zwei Bier. Einer der Freunde spricht sogar Deutsch, da er ein halbes Jahr in Dresden studiert hat. Er spricht echt gut und wir koennen uns normal unterhalten, als ich dann anfange auf Oesterreichisch zu sprechen, versteht er allerdings nichts mehr 🙂

Ich unterhalte mich auch mit Basha, der grosse Typ im Bild und er sagt, dass er morgen wohl auf ein Fussballspiel gehe: Spartak gegen CSKA. Er ist Spartak-Fan und meint, dass es morgen richtig zur Sache gehe. Die zwei Clubs sind beide aus Moskau und daher so etwas wie Erzrivalen. Ich frage ihn, ober mir noch ein Ticket besorgen koenne. Darauf antwortet er, dass er mal sehen werde, ob das noch moeglich sei.

Tag 24

Heute ist das Wetter grau in grau und ich beschliesse mich ein wenig um den Blog und um Couchsurfing zu kuemmern. Am Abend gehen wir auf ein Couchsurfing-Meeting. Mit rund 30 Leuten von ueberall her treffen wir uns und trinken gemeinsam. Ich lerne verschiedenste Leute kennen, unter anderen Nikita, der seit drei Tagen auf Couchsurfing ist und unbedingt jemanden zuhause bei sich aufnehmen will.

Mit einer Gruppe, bestehend aus zwei Russinen, einem Hollaender, einem Schweizer und einem Rumaenen, gehen wir gegen Mitternacht in Richtung Club. Wir gehen direkt ueber den Roten Platz und anschliessend entlang des Kremlins. Viel zentraler gehts nicht, desshalb bin ich auch schon sehr auf die Preise gespannt. Der Eintritt ist kostenlos, jedoch kostet ein Bier gemuetliche 9 Euro. Ich kaufe mir eines und frage mich, wie ich wohl die Nacht bei diesen Preisen ueberstehen soll. Hinter mir fragt mich ein Russe, der einen Tisch gemietet hat nach einem Feuer. Ich gebe ihm welches und quatsche ein bisschen mit ihm. In null komma nichts laedt er mich ein mit ihm auf seinem Tisch Vodka zu trinken. Das tun wir dann auch, leider ein bisschen zu haeftig, so dass meine Reaktion langsamer wird und ich auf dem Nachhauseweg ausgeraubt werde.

Auf dem Weg zur Metro kommt mir ein Typ entgegen, schnappt sich meine Brieftasche und steigt in ein Auto ein und weg ist er. Er hat rund 70 Euro erbaeutet, mich stoert klarerweise aber der Verlust von Kreditkarte und Personalausweis.