Tag 63

Es geht frueh morgens los. Die Kinder werden in die Schule gebracht und mich faehrt Yenok noch ein paar hundert Meter vor das Dorf. Dort stehe ich auch nicht lange, das 2. Auto nimmt mich ein paar Kilometer mit. Der Fahrer arbeitet in einer Tankstelle und wir fruehstuecken gemeinsam. Ich hatte eigentlich schon reichlich Fruehstueck bei Yenok, aber ein Nein wird nicht akzeptiert. Zum Abschied gibt es noch 4cl Vodka und ich mache mich wieder auf den Weg.

Bald erreiche ich Akhalkalaki und ich sehe ein Schild mit der Aufschrift „Turkish Border“. Als ich allerdings ein Auto stoppe und dem Fahre sage, dass ich in die Tuerkei will, meint er, dass dieser Grenzuebergang geschlossen waere. Von nun an geht es immer nur ein paar Kilometer vorwaerts in die naechste Stadt. Von Akhaltsikhe aus, stoppe ich dann ein Auto, dass bis zur Grenzstadt faehrt. Als ich mit dem Fahrer rede, meint er, dass er mich sogar bis zur Grenze fahren koennte, da es hier keinen wirklichen PKW-Verkehr gibt.

Die Grenze ueberquere ich zu Fuss. Die Grenzbeamten sprechen sogar Englisch und fuer 20 Dollar bekomme ich ein tuerkisches Multiple-Entry-Visa fuer 90 Tage. Auf der tuerkischen Seite ist einiges an Militaer und genau 0 Autos. Ich muss also warten, bis einer der LKWs die Zollkontrolle beendet. Nach 20 Minuten ist es dann so weit und der erste Truck nimmt mich mit. Der Fahrer kommt aus dem Iran und wir trinken gemeinsam Tee, rauchen Zigaretten und unterhalten uns sechs Stunden lang ueber Sex. Es ist wirklich ein Wahnsinn, er erzaehlt mir, mit welchen Prostituierten in welchem Land er etwas hatte. Warum man in islamischen Laendern nur Analsex vor der Ehe hat, dass er auch nichts gegen kleine Jungs hat und und und… Ich versuche das Gespraechsthema in eine andere Richtung zu lenken, wir landen aber immer wieder beim Thema Sex.

Immerhin ist die Landschaft waehrend der Fahrt wunderschoen. Wir fahren ueber zahlreiche Berge und ich sehe viele kurdische Doerfer an der Strasse. Wir befinden uns zwar in der Tuerkei, das Gebiet ist aber hauptsaechlich von Kurden bewohnt und inoffiziell wird die Gegend als Kurdistan bezeichnet. Auf der Fahrt passieren wir auch ein paar Militaer-Checkpoints. Der Fahrer wird aber nicht gestoppt, sondern winkt dem Militaer vertraut zu. Auch an einem kaputten LKW kommen wir vorbei. Das Militaer sichert die Unfallstelle. Von der Fahrerkabine ist nicht mehr viel uebrig.

Es wird dunkel und wir erreichen Dogubayazit, eine Stadt in der Tuerkei, die nicht weit von Armenien und dem Iran liegt. Der Fahrer faehrt weiter in den Iran und ich steige irgendwo am Stadtrand aus. Ich habe noch immer keine Landeswaehrung, also frage ich nach einem Bankomaten. Die Menschen hier sind nett und nicht wirklich viele Touristen gewohnt. Ein Mann begleitet mich ein paar hundert Meter, um mich zur Bank zu bringen.

Den Abend verbringe ich mit Internetrecherche und der Suche nach Essen. Es ist 17h00, doch alle Geschaefte sind geschlossen. Ich finde dann doch noch ein Geschaeft und der Verkaeufer erklaert mir, dass er wohl nur illegalerweise offen hat – komische Stadt. Ich finde auch ein sehr guenstiges und leider auch sehr dreckiges Hotel, aber fuer 8 Euro die Nacht ist das ok. Ich beschliesse in meinem Schlafsack zu schlafen und die Bettlaken nicht zu benutzen.

Tag 62

Ich komme erst so gegen Mittag weg. Es hat in Tiflis rund 10 Grad und Wolken verdecken die Sonne. Zum Trampen habe ich mir heute die Landstrasse anstatt der Autobahn ausgesucht, da die Strecke kuerzer ist. Leider muss ich feststellen, das so gut wie keine Autos die Strecke befahren. Doch nach rund einer halben Stunde haelt ein Range Rover und ich komme rund 50 Kilometer vorwaerts.

Irgendwo zwischen Tiflis und der tuerkischen Grenze ist die Fahrt vorbei. Ich schnappe mir meinen Rucksack aus dem Kofferraum und der Range Rover duest davon. Kurz darauf faellt mir auf, dass ich meinen Beutel im Auto vergessen habe. Darin befand sich mein gruener Wollpulli und da es derzeit 5 Grad hat, aergert mich das ein wenig. So schlimm ist die Sache aber dann auch nicht, immerhin habe ich ja noch ein paar Sachen in meinem Rucksack. Die Strasse auf der ich stehe, wirkt irgendwie trostlos. Es gibt fast keinen Verkehr, alle 5 bis 10 Minuten kommt ein Auto vorbei. Doch nach 40 Minuten habe ich Glueck und ein alter LKW bleibt stehen. Es geht ueber Serpentinen den Berg hinauf und wieder runter und wieder hinauf und wieder runter.. Irgendwann biegt der LKW dann links ab und ich steige aus.

Ich bin wieder mal irgendwo im Nirgendwo und hoffe auf ein Auto. Der Verkehr ist aehnlich schlecht wie zuvor, doch das zweite Auto nimmt mıch mit, dieses Mal ein Mercedes. So geht die ganze Reise weiter bis ich irgendwann in Ninotsminda bin. Es ist bereits 17h00 und in einer Stunde wird die Sonne untergehen. Ich will es aber heute noch bis nach Akhaltsikhe schaffen, da ich dort eine Adresse eines Hotels habe.

Ich laufe durch die Strassen von Ninotsminda und versuche an den Stadtrand zu kommen um von dort zu trampen. Ich stehe rund fuenf Minuten an der Strasse und ein alter Mann spricht mich an. Er laedt mich zu Tee ein, doch ich mache ihm klar, dass ich weiter muss, da ich ja irgendwo schlafen muss. Der Mann sagt mir, dass ich auch bei ihm schlafen koennte. Warum eigentlich nicht, so spare ich mir das Hotel und ich bin auch gespannt auf die Behausung und die Familie.

Ich betrete das Wohnzimmer und finde eine Grossmutter, drei kleine Kinder und eine Frau vor. Alle sind rund um den Ofen versammelt, der in der Mitte des Raumes steht. Geheizt wird mit getrockneten Kuhfladen. Die Waende und saemtliche Sitzgelegenheiten sind mit Teppechichen ueberdeckt. Ich bekomme sofort Tee, dazu leckeres frisches Brot, selbstgemachten Kaese und und und. Es geht mir also wunderbar bei der Familie. Wir koennen uns zum Glueck auf Russisch unterhalten und alle sind sehr gespannt, was ich zu erzaehlen habe. Wir verstehen uns gut und so lerne ich mit den zwei kleinen Schwestern noch etwas Englisch. Sie haben sogar einen kleinen kleinen Laptop mit einem Lernprogrammen. Die Familie kommt urspruenglich aus Armenien und so lernen die Kinder Georgisch, Armenisch, Russisch und Englisch – nicht schlecht.

Wir gehen auch noch zu den Nachbarn und sie zeigen mir stolz ihren Computer mit Internetzugang. Ich kann ihnen auf Google Maps zeigen, wo ich wohne. Nach einem kurzen Snack, der aus verschiedenen Fruechten besteht, gehen wir wieder zurueck zum Haus. Yenok, der Hausherr, zeigt mir noch stolz seine Tiere, er hat insgesamt 9 Kuehe und 6 Schweine.

Nachdem noch die Grosseltern vorbeikommen und wir noch gemeinsam Tee trinken, geht es ab in die Heia. Morgen will ich bis nach Van kommen und der Weg wird ziemlich lang werden.