Tag 75

Heute soll es aber klappen mit der Fahrt nach Sulaimaniyya. Bevor wir das Haus verlassen, raeumen wir noch auf und beseitigen die Bierflaschen. Rebaz faehrt uns zu Yassins Buero und gemeinsam trinken wir Tee. Er ueberrascht uns, als er uns sein faible fuer romantische Gedichte gesteht. Insgesamt hat er bereits 158 Gedichte geschrieben. Ein paar davon gibt er nun zum Besten.

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Der Firmenwagen, von dem er gestern gesprochen hat, ist wohl ein Taxi. Wir muessen dafuer aber nicht bezahlen, also ist das auch ok. In Koya stoppen wir kurz fuer einen Snack, bevor es die Bergstrasse hoch geht. Es regnet und einige LKWs schaffen den Anstieg nicht mehr und muessen stehen bleiben. Der Taxifahrer braucht ab und zu einen zweiten Anlauf, wenn die Strasse aus Matsch anstatt Asphalt besteht. Wir kommen aber insgesamt gut durch.

Sulaimaniyya erreichen wir erst als es dunkel wird und es regnet hier ebenfalls. In der Stadt gibt es natuerlich keine Abfluesse und so stroemt das Wasser nur so die Strassen hinunter. Wir finden zum Glueck schnell ein Hotel und koennen einen guten Preis verhandeln. Statt 45.000 fuer 3 Leute, zahlen wir 35.000. Am Anfang stellt sich der Rezeptionist noch etwas an, da Jess bei uns im Zimmer schlafen will. Wir behaupten allerdings irgendwann, dass wir alle Cousins sind und die Sache geht in Ordnung.

Tag 74

Eigentlich wollen wir heute nach Sulaimaniyya, doch es kommt alles anders. Bevor wir uns allerdings auf den Weg machen, schlaendern wir noch etwas ueber den Bazar. Nachdem jeder ein paar Dinar leichter ist, machen wir uns auf zum Trampen. Rebaz faehrt uns bis kurz vor den Checkpoint, der den Stadtrand Erbils markiert. Er traut der ganzen Sache aber nicht so ganz und will neben uns warten, bis wir ein Auto gefunden haben.

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Das dauert auch nur fuenf Minuten und ein schicker SUV haelt an. Rebaz redet mit dem Fahrer und wir steigen ein. Yassin ist Unternehmer und faehrt gerade ein dickes Buendel Dollars spazieren. Wir koennen uns zwar kaum verstaendigen, haben aber richtig viel Spass auf der Fahrt.

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Wir fahren in ein Dorf an der iranischen Grenze, dort trifft er seinen Freund. Gemeinsam fahren wir dann zu dem Freund nach Hause und trinken Tee. Yassin bietet uns an, in seinem Ferienhaus in Shaqlawa zu uebernachten. Das liegt zwar ueberhaupt nicht auf unserem Weg, aber er meint, dass wir am naechsten Morgen mit einem Firmenwagen nach Sulaimaniyya fahren koennen. Das klingt alles aufregend, also sagen wir zu. Er ruft noch Rebaz an und so wollen wir uns in seinem Haus treffen. Vorher zeigt uns Yassin aber noch sein Investment, einen Villakomplex auf einem Berg in Shaqlawa. Er kauft auch noch Suessigkeiten und 50 Flaschen Bier ein.

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Gut bepackt erreichen wir sein Haus und bereiten ein bisschen Obst und Gemuese vor. Zum Essen gibt es allerdings Fisch, den er noch schnell von einem Restaurant abholt. Rebaz kommt puenktlich und so koennen wir gemeinsam essen. Rebaz kann uebersetzen und wir koennen uns zum ersten Mal richtig unterhalten. Yassin baut Strassen und Haeuser und ist damit wohl sehr erfolgreich.

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Er zeigt uns noch ein paar Fotos von seinen Business-Reisen in China und Katar. Bevor er um Mitternacht zu seiner Familie geht, gibt er uns noch Instruktionen, wie wir das Haus verlassen sollen. Seine Frau darf nichts von der Sache mitbekommen und schon gar nicht Bier in dem Wochenendhaus finden. Wir geben also unser Bestes.

Tag 72

Rebaz laedt uns heute ein, seine Universitaet zu besuchen. Das Gebaeude liegt etwas ausserhalb von Erbil. Hier sieht man sehr deutlich den Aufschwung der Region, es wird ueberall gebaut und die Gebaeude werden in einem wahnsinnigen Tempo fertiggestellt.

In der Uni zeigt er uns die Hoersaeele. Alles ist neu und auch die Ausruestung ist beachtlich. Es kommen Whiteboards, Beamer und Smartboards zum Einsatz. Ich bin erstaunt wie viele Frauen sich hier rumtreiben. Die meisten davon sind ohne Kopftuch unterwegs. Rebaz meint, dass das erst seit einigen Jahren so ist. Der Aufschwung der Region fuehrt also auch zu einer etwas offeneren Gesellschaft.

Im Garten der Uni trinken wir Kaffee und lernen einen Freund von Rebaz kennen. Wir reden etwas und er gibt uns ein Buch ueber die Anfal Kampagne. Darunter versteht man Saddams Genozid an den Kurden. Knappe 200.000 Menschen mussten damals sterben. Es wurde gefoltert und gemordet, auch chemische Waffen kamen zum Einsatz. In dem Buch wird ein Zeitzeuge interviewt – ich bin gespannt.

Wir wollen heute noch nach Shaqlawa, um uns kaputte Panzer anzusehen. Sie stammen aus dem Krieg der Kurden gegen Saddam. Rebaz erzaehlt uns, dass die kurdischen Wiederstandskaempfer (Peschmerga) damals ihre Fuesse zusammengebunden haben, um nicht vor Angst davonzulaufen. Wir fahren also mit dem Auto und passieren auf dem Weg einige Checkpoints. Leider haben wir alle unsere Ausweise vergessen, doch wir schaffen es, vier Checkpoints zu passieren. Manchmal werden wir angehalten und muessen mit dem Kommandanten reden. Nach einem kurzen Telefonat geht es dann aber weiter. Die Kontrollen hier sind lange nicht mehr so streng wie frueher.

In der Stadt essen wir noch eine kurdische Pizza. Der Teig ist sehr duenn und der Belag besteht aus Tomaten und Fleisch. Wir machen uns wieder auf den Rueckweg und nach ein paar weiteren Gespraechen an den Checkpoints sind wir wieder in Ebil.

Es ist ungefaehr 20h00 und wir wollen noch etwas unternehmen, bevor wir wieder ins Hotel gehen. Rebaz schlaegt vor, noch etwas Bier zu kaufen und es neben der Autobahn zu trinken. Dort versammeln sich jeden Abend Leute, um gemeinsam zu trinken. Die Verkehrspolizei hat keine Alkomaten, also trinken auch die Fahrer gut mit. Die ganze Sache mit dem Alkohol ist hier noch relativ neu und so dauert es wohl noch ein bisschen, bis es wirklich Regeln dagegen gibt.

Wir steuern das erste Lagerfeuer an, das wir sehen und fragen die Jungs, ob wir uns neben sie setzen koennen. Sie sind sofort begeistert, ein paar Auslaender zu sehen und bieten uns sogar noch ihre Grillspiesse an. Leider koennen sie nicht wirklich gut Englisch, Rebaz kann aber uebersetzen. Einer der Jungs ist Taxifahrer und kommt wohl fast jeden Abend hierher. Wir rauchen ein paar Zigaretten und trinken ein wenig Bier, bis wir uns dann wieder verabschieden.

Sofort kommen wir aber auch nicht ins Bett. Wir schauen wieder bei Mohammed vorbei. Er besteht wieder darauf, dass wir zumindest ein paar Huenchenfluegel essen. Wir sind eigentlich noch von der Pizza satt, da liegen die Fluegel schon auf dem Grill. Nach einem letzten Tee geht es dann aber wirklich ab ins Hotel.