Tag 62

Ich komme erst so gegen Mittag weg. Es hat in Tiflis rund 10 Grad und Wolken verdecken die Sonne. Zum Trampen habe ich mir heute die Landstrasse anstatt der Autobahn ausgesucht, da die Strecke kuerzer ist. Leider muss ich feststellen, das so gut wie keine Autos die Strecke befahren. Doch nach rund einer halben Stunde haelt ein Range Rover und ich komme rund 50 Kilometer vorwaerts.

Irgendwo zwischen Tiflis und der tuerkischen Grenze ist die Fahrt vorbei. Ich schnappe mir meinen Rucksack aus dem Kofferraum und der Range Rover duest davon. Kurz darauf faellt mir auf, dass ich meinen Beutel im Auto vergessen habe. Darin befand sich mein gruener Wollpulli und da es derzeit 5 Grad hat, aergert mich das ein wenig. So schlimm ist die Sache aber dann auch nicht, immerhin habe ich ja noch ein paar Sachen in meinem Rucksack. Die Strasse auf der ich stehe, wirkt irgendwie trostlos. Es gibt fast keinen Verkehr, alle 5 bis 10 Minuten kommt ein Auto vorbei. Doch nach 40 Minuten habe ich Glueck und ein alter LKW bleibt stehen. Es geht ueber Serpentinen den Berg hinauf und wieder runter und wieder hinauf und wieder runter.. Irgendwann biegt der LKW dann links ab und ich steige aus.

Ich bin wieder mal irgendwo im Nirgendwo und hoffe auf ein Auto. Der Verkehr ist aehnlich schlecht wie zuvor, doch das zweite Auto nimmt mıch mit, dieses Mal ein Mercedes. So geht die ganze Reise weiter bis ich irgendwann in Ninotsminda bin. Es ist bereits 17h00 und in einer Stunde wird die Sonne untergehen. Ich will es aber heute noch bis nach Akhaltsikhe schaffen, da ich dort eine Adresse eines Hotels habe.

Ich laufe durch die Strassen von Ninotsminda und versuche an den Stadtrand zu kommen um von dort zu trampen. Ich stehe rund fuenf Minuten an der Strasse und ein alter Mann spricht mich an. Er laedt mich zu Tee ein, doch ich mache ihm klar, dass ich weiter muss, da ich ja irgendwo schlafen muss. Der Mann sagt mir, dass ich auch bei ihm schlafen koennte. Warum eigentlich nicht, so spare ich mir das Hotel und ich bin auch gespannt auf die Behausung und die Familie.

Ich betrete das Wohnzimmer und finde eine Grossmutter, drei kleine Kinder und eine Frau vor. Alle sind rund um den Ofen versammelt, der in der Mitte des Raumes steht. Geheizt wird mit getrockneten Kuhfladen. Die Waende und saemtliche Sitzgelegenheiten sind mit Teppechichen ueberdeckt. Ich bekomme sofort Tee, dazu leckeres frisches Brot, selbstgemachten Kaese und und und. Es geht mir also wunderbar bei der Familie. Wir koennen uns zum Glueck auf Russisch unterhalten und alle sind sehr gespannt, was ich zu erzaehlen habe. Wir verstehen uns gut und so lerne ich mit den zwei kleinen Schwestern noch etwas Englisch. Sie haben sogar einen kleinen kleinen Laptop mit einem Lernprogrammen. Die Familie kommt urspruenglich aus Armenien und so lernen die Kinder Georgisch, Armenisch, Russisch und Englisch – nicht schlecht.

Wir gehen auch noch zu den Nachbarn und sie zeigen mir stolz ihren Computer mit Internetzugang. Ich kann ihnen auf Google Maps zeigen, wo ich wohne. Nach einem kurzen Snack, der aus verschiedenen Fruechten besteht, gehen wir wieder zurueck zum Haus. Yenok, der Hausherr, zeigt mir noch stolz seine Tiere, er hat insgesamt 9 Kuehe und 6 Schweine.

Nachdem noch die Grosseltern vorbeikommen und wir noch gemeinsam Tee trinken, geht es ab in die Heia. Morgen will ich bis nach Van kommen und der Weg wird ziemlich lang werden.

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Tag 61

Der Tag verlaeuft sehr entspannt, ich bin ja schliesslich wieder in Georgien. Ich versuche meine Reise in den Irak zu planen und schreibe mir ein paar tuerkische Vokabeln in mein Notizbuch.

Am Abend gehen wir in die Kanudos Bar. Ich kenne dort mittlerweile den Eigentuemer und ein paar Leute, die dort regelmaessig hingehen. Die Bar fuehlt sich schon fast wie mein zweites Zuhause an. Heute gibt es ein Live-Konzert, doch da sehr laut gespielt wird, kann man sich schlecht unterhalten. Ein Typ aus Syrien schlaegt vor in eine andere Bar zu gehen, dort ist heute Blues Night, ebenfalls mit Live-Musik.

Das Konzert ist richtig gut, wir trinken zwei Glaeser Bier und gehen dieses Mal frueher zurueck zum Hostel. Ich muss ja morgen wieder Trampen und will es bis in die Tuerkei schaffen. Wirklich frueh komme ich aber leider nicht ins Bett, da wir uns noch zwei Filme ansehen.

Tag 60

Es regnet und die Temperatur ist lange nicht mehr so angenehm wie die Tage zuvor. Es ist also Zeit zu gehen. Bevor ich allerdings Trampen kann, muss ich noch auf meine Waesche warten. Das dauert leider bis 14h00 und so komme ich erst sehr spaet weg. Ich will heute in Richtung Tuerkei und habe einen Stop in Akhaltsikhe, Georgien eingeplant. Da die Grenze zwischen Armenien und der Tuerkei geschlossen ist, gibt es keine andere Moeglichkeit fuer mich, als diesen Umweg zu fahren.

Ich versuche rund zwei Stunden zur richtigen Autobahn zu kommen, doch irgendwie weiss keiner, welcher Bus dorthin faehrt. Ich bin mittlerweile gut durchnaesst und habe keine Lust mehr die Autobahn zu finden. Mit einer Maschrutka geht es also zum Busbahnhof. Normalerweise geht eine Maschrutka nach Batumi, was sehr nah an der tuerkıschen Grenze liegt, doch die ist heute schon abgefahren. Es gibt nur noch eine Verbindung nach Tiflis. Ich kenne dort ja mittlerweile ein paar nette Menschen, also warum nicht.

Auf der Fahrt kommen wir am Sevan See vorbei. Dieses Mal ist es noch hell und ich kann den Bergsee in seiner vollen Groesse sehen. Auf der Fahrt rede ich mıt Vasili, der neben mir sitzt. Er arbeitet fuer eine internationale Marketing-Firma und spricht daher gut Englisch. Die Fahrt wird fuer rund eine Stunde unterbrochen, da einige Fahrgaeste hunger haben und nicht ein paar Stunden durchfahren wollen. In der Maschrutka wird ueber Politik gestritten und ob die georgischen oder die armenischen Maedels besser aussehen. (Definitiv die Armenischen) Die Grenzkontrolle ist eine Sache von ein paar Minuten und ich bin wieder in Georgien.

Per SMS kontaktiere ich Migle und frage sie nach einem Schlafplatz. Sie meint, dass das kein Problem sei und ich bin erleichtert. Wir treffen uns in einer Bar und auch die anderen Austauschstudenten sind da.

Nach einiger Zeit wollen wir in eine andere Bar, Ivan und Migle bleiben aber im Kanudos. Ich werde also wieder im Hostel bei Marion und den Anderen schlafen. Bevor wir ins Salve gehen, kann ich zum Glueck noch meinen Rucksack im Hostel ablegen. In der Bar  angekommen, treffen wir noch ein paar andere Leute, von denen drei in der Werbung arbeiten. Eine davon wohl sogar fuer BBDO Moskau.

Tag 54

Chilltime is over. Es geht weiter nach Yerevan, Armenien. Ich will wieder mal Trampen, da es in Georgien und Armenien sehr einfach sein soll. Leider schaffe ich es erst gegen 14h00 auf die Autobahn und nach 1h30 werde ich darauf hingewiesen, dass ich an der falschen Strasse stehe. Es ist also bereits 15h30 und mir wird klar, dass ich vielleicht heute im Freien schlafen werde. Es hat in der Nacht rund 11 Grad, mit meinem Schlafsack und ein bisschen Kleidung sollte das aber kein Problem sein.

Als ich dann an der richtigen Strasse stehe, kommt alles anders. Es halten sehr viele Taxis, die mich fuer Geld mitnehmen wollen. Eines davon will aber einfach nicht wegfahren. Ich sage dem Fahrer auf Russisch, dass ich kein Geld habe und er will mich trotzdem mitnehmen. Er ist wohl Taxifahrer in Yerevan und ist gerade mit seinem Freund auf der Rueckreise von Tiflis. Ich kann mit ihnen direkt in die Stadt fahren und nicht nur das, sie meinen, dass sie mich direkt zum Hostel bringen koennen. Der Weg nach Yerevan dauert eigentlich nur 4 Stunden, wir werden aber erst kurz vor Mitternacht dort sein. Wir halten waehrend der Fahrt an verschiedenen Obststaenden. Die Fahrer kaufen Nuesse und Manderinen. Wir halten an einer Baeckerei, es gibt frisches Brot fuer alle. Es ist zum Glueck noch hell und so sehe ich die wahnsinnig schoene georgische Landschaft. Es wird viel Wein angebaut und die Vegation ist gruen.

An der armenischen Grenze muss ich mir ein Visum kaufen. Armenien akzeptiert keine Fremdwaehrung, also kann ich meine mitgebrachten Euros eintauschen. Das Visum kostet 8 Euro und gilt fuer 21 Tage, bevor ich alle Papiere ausgefuellt habe, klebt das Ding auch schon in meinem Pass. Der Grenzer, der meinen Pass kontrolliert spricht sogar Deutsch und ist extrem freundlich. Meine Fahrer muessen noch auf jemanden warten. Ein Freund bringt noch Aepfel vorbei. Zusammen mit einem befreundeten Auto geht es dann weiter in Richtung Sueden.

Um 21h00 gibt es den naechsten Stopp. Die Fahrer sind hungrig, also halten wir an einer kleinen Gaststaedte. Es gibt dort einen Holzofen und einen seperaten Raum mit einem Tisch. Genau so wie in Georgien sind hier natuerlich auch alle Produkte direkt von der Gegend. Es wird ordentlich aufgetischt. Als Vorspeise essen wir Fisch, Gurken, Brot, Kaese und andere Milchprodukte. Dazu trinken wir eine sehr chemisch schmeckende Limonade und eine Flasche 70% Apfelschnaps. Ich wollte heute eigentlich nicht trinken, aber so etwas abzulehnen gilt als sehr unhoeflich.

Endlich kommt die Hauptspeise, es gibt frisch gegrillte Schweinekotletts. Bei manchen haengt am Knochen rund ein halber Zentimeter Fleisch und rund fuenf Zentimeter Fett, so laesst sich dann auch der Apfelschnaps gut trinken. Trotz des grossen Fettanteils schmecken die am Holzofen gegrillten Kotletts sehr lecker.

Die Fahrt geht weiter und ich werde direkt in die Strasse des Hostels gebracht. Ich habe die Hausnummer gefunden und gehe in den Innenhof. Ein Hund bellt mich an, aber ich finde kein Zeichen eines Hostels. Die Strasse ist menschenleer, also kann ich auch niemanden fragen. Als ich mir schon einen schoenen Park suchen will, sehe ich dann ein Schild, dass der Eingang zum Hostel um die Ecke ist.

Tag 53

Erstens kommt es immer anders und zweitens ist das manchmal besser so: Migle weckt mich auf, aber nur um mir zu sagen, dass ich liegen bleiben kann :). Sie hat einen extra Schluessel, den ich dann einfach Marion geben kann. Sie ist eine von drei Austauschstudenten in ihrem Hostel, die nicht nach Batumi fahren. Normalerweise wohnen dort sechs oder acht Menschen dauerhaft und natuerlich nicht zu normalen Hostelkonditionen.

Ich schlafe mich also aus und ziehe um zu Marion. Gemeinsam machen wir uns einen schoenen Tag. Wir essen Kinkali und trinken Bier dazu. Zusammen zahlen wir 6 Euro. Wir wollen das Riesenrad nochmals versuchen. Dieses Mal sind wir auch puenktlich und duerfen eine Runde fahren. Es ist maessig spektakulaer, aber auch nicht wirklich teuer.

Am Abend gibt es wieder mal eine Party. Eine georgische Studentin feiert ihren Geburtstag. Neben Bier und Wein gibt es auch wieder Cha Cha. Allerdings nicht den „milden“ mit 50%-60%, sondern den extra starken mit ueber 80%. Jeder auf der Party trinkt einen kleinen Schluck davon und wir lassen das Ding stehen. Die Pary ist ganz lustig und es kommen auch einige Leute. Als gegen Ende dann schnulzige Lieder aufgelegt werden, ist es Zeit zu gehen.

Lewan, Marion und ich gehen in einen Club, um noch etwas zu tanzen. Dieser Club ist auch voll und das Bier kostet 1,50 Euro. Nach dem zweiten Bier gehen wir dann allerdings wieder zurueck zum Hostel.

Tag 52

Wir wollen heute auf das Risenrad, dass sich am Stadtberg befindet. Leider kommen wir rund 10 Minuten zu spaet und sehen nur noch die letzten Menschen aussteigen. Die Aussicht ueber die Stadt bei Nacht war es aber trotzdem wert, eine halbe Stunde mit dem Bus zu fahren, nur einige zu hohe Baeume versperren die Sicht etwas.

Wir beschliessen vorerst in eine Bar zu gehen. Zwei georgische Studenten kommen noch dazu und wir ueberlegen, wo man heute noch feiern kann. Wir versuchen einige Clubs, doch wir finden nur Menschen vor, die auf Barhockern sitzen und Zigaretten rauchen. Auf dem Weg in einen anderen Club, sehen wir wieder eine Schlaegerei. Georgier preugeln sich wohl gerne :). Die ganze Sache ist aber nicht schlimm, rund 20 andere Leute und zwei Tuersteher versuchen den Streit zu schlichten.

Wir packen uns zu sechst in ein normales Taxi und fahren zum See Lisi, da wir von einigen Leuten gehoert haben, dass dort eine Party stattfindet. Als wir ankommen, finden wir die Pary auch direkt, doch dort sind ebenfalls gelangweilte Menschen auf Couches und Barhockern. Zur Musik tanzen ausschliesslich wir. Das wird dann auch zu langweilig und wir fangen an mit der Dekoration etwas rum zu spielen.

Da einige der Austauschstudenten morgen um 7h00 in der Frueh nach Batumi farhen, gehen wir zurueck zur Wohnung. Migle schlaeft gar nicht, sondern packt ihre Sachen. Ich lege mich fuer eine Stunde hin, bevor ich dann mir ihr gemeinsam das Haus verlassen will.

Tag 51

Eigentlich wollte ich heute nach Yerevan trampen, aber irgendwie steckt die georgische Gemuetlichkeit an. Die Menschen hier gehen betont langsam auf der Strasse. Wenn man irgendetwas will, kann es passieren, dass die Person vorher ein paar Minuten in die Luft schaut und dann erst bereit ist, etwas zu tun. Auch die Kontrolleure im Bus sind sehr gemuetlich drauf. Wenn man kein Ticket hat, gibt man ihnen 25 Cent und sie kaufen eines. Man kann auch einfach ein altes Ticket nehmen und es interessiert keinen. Wenn sie ganz boese drauf sind, koennen sie eine Strafe von 5 Lari verhaengen (2,50 Euro), aber das macht eigentlich keiner.

Das Tagesprogramm verlaeuft relativ ruhig, es ging doch etwas laenger gestern. Ich sehe mir also mit Migle „On the Road“ an. Ein Film in dem es um Reisen, Trampen und Spasshaben geht. Mir gefaellt er ganz gut, obwohl Migle, die das Buch gelesen hat, meint, dass er sich mehr auf exzessives Feiern, als auf das Reisen an sich konzentriert. Trotzdem will ich ein sehr schoenes Zitat aus dem Film hier wiedergeben:

„The only people for me are the mad ones, the ones who are mad to live, mad to talk, mad to be saved, desirous of everything at the same time, the ones who never yawn or say a commonplace thing, but burn, burn, burn.“

Am Abend spielen wir Karten in einer Bar, danach gehen wir in einen Club (Cafe Gallery). Als wir dort ankommen, kaufen wir uns ein Bier, trinken zwei Schluecke und die Tuersteher meinen, dass der Club jetzt zusperre.