Tag 90

Leider komme ich erst etwas spaeter vom Hostel weg. Der Weg nach Sofia ist nicht ganz so kurz, doch ich will es trotzdem versuchen. Mit der Metro fahre ich bis zum Busbahnhof und versuche von hier auf die Autobahn zu kommen. Das ist nicht ganz einfach, da sie zum Teil durch einen Zaun mit Stacheldraht vom Rest der Stadt abgetrennt ist. Bei einer Autobahnbruecke fehlt allerdings die Absperrung und so klettere ich den Huegel zur Brücke hoch. Das erste Auto bringt mich ein paar Kilometer weiter und da es regnet, werde ich unter einer queerenden Autobahnbruecke rausgelassen. Hier stehe ich einige Zeit, doch der Platz ist nicht wirklich geeignet, um Autos zu stoppen. Es gibt fast keinen Platz zum Anhalten und der Verkehr faehrt zu schnell an mir vorbei. Ich beschliesse ein paar Kilometer der Strasse zu folgen, bis ich einen besseren Platz finde.

Es dauert nicht lange und ich werde mitgenommen. Das Auto scheint sehr alt zu sein. Ab und zu fahren wir nur 40 auf der Autobahn. Der Fahrer meint aber, dass er mich nach Sofia bringen kann. Nach 60 Kilometer fahren wir allerdings von der Autobahn ab und ich bin zuerst etwas verwundert. Der Fahrer erklaert mir, dass er den Beifahrer beim Gefaengnis abliefern muss und dann weiter in Richtung Bulgarien fahren will. Soweit so gut, wir lassen den Beifahrer also aussteigen. Fuer ihn geht es wohl einige Zeit hinter Gitter. Wir fahren den Weg wieder zurueck, doch dann dreht der Fahrer um und faehrt in Richtung Istanbul. Ich bin verwundert und sehe ihn fragend an. Er faengt auf einmal an, komische Geschichten zu erzaehlen. Anscheinend ist er Polizist und musste den Verurteilten zum Gefaengnis begleiten. Deshalb muss er jetzt noch Papiere in Istanbul unterzeichnen lassen, die den Transfer bestaetigen. Wirklich glaube ich ihm die Sache mit dem Polizisten nicht, doch vielleicht habe ich ihn falsch verstanden und er erledigt nur die Arbeit eines Polizisten.

Der Umweg ueber Istanbul stoert mich etwas, doch da er mich direkt nach Sofia bringen will, sind die zusaetzlichen Kilometer in Ordnung. Auf der Fahrt stellt er dann einige merkwuerdige Fragen. Er fragt mich, ob ich einen Laptop habe, ob ich eine Kamara dabei habe, aber keine kleine Kamera, sondern eine Spiegelreflex-Kamera, wie viel Geld ich mit mir fuehre usw. Das ist schon mal ziemlich merkwuerdig, aber ok, ich bin ja schon einiges vom Trampen gewohnt. Wir fahren also in Richtung Istanbul und ich weiss ja bereits ueber die Trickbetrueger am Taksim Platz Bescheid. Natuerlich, wie sollte es auch anders kommen, fahren wir in die Naehe dieses Platzes. Ich bin also gewarnt. Er steigt aus und will, dass ich ihm folge. Ich nehme meinen Rucksack mit, obwohl er darauf besteht, den Rucksack im Auto zu lassen. Er geht in eine Gasse und will mit mir Tee trinken, ich lehne ab. Daraufhin will er mich ploetzlich ohne Zwischenstopps nach Sofia fahren. Wieso also der ganze Umweg? Wieso hat er seine Papiere nicht unterschreiben lassen? Es waren einfach zu viele Fragen unbeantwortet, also gehe ich zurueck zum Auto, packe meine restlichen Sachen und will abhauen. Er haelt mich am Arm und besteht darauf, mich zu fahren. Ich schreie ihn an, reisse meinen Arm weg und laufe durch die Gassen zu einer Hauptstrasse. Hier gehe ich in den ersten Kebab-Stand und hole erst mal Luft. Alles ist gut, mir ist nichts passiert und ich hatte wohl Glueck, ohne Verlust von Wertgegenstaenden oder Geld davongekommen zu sein.

Fuer heute reicht es mir mit Trampen, also gehe ich zum Busbahnhof und kaufe mir das Ticket fuer den Nachtbus. Nachdem ich kurz eingenickt bin, erreichen wir die Grenze. Wie sollte es anders sein, schmuggeln wieder alle Zigarreten. Obwohl sie damit nur einen minimalen Profit machen koennen, da sich die Preise nicht wirklich stark unterscheiden. Der Zoll konfisziert anschliessend die Haelfte und die Stimmung ist etwas gedaempft. Ich komme aber ohne Probleme ueber die Grenze und bekomme sogar noch ein paar Stunden Schlaf.

Tag 89

Bevor ich in Istanbul war, hat mir jeder erzaehlt, dass ich mir unbedingt die Zisterne ansehen muss, also mache ich das heute. Am Eingang muss ich 10 Lira bezahlen und so betrete das ehemalige Wasserreservoir. Es handelt sich um einen kleinen Raum, in dem zahlreiche Saeulen stehen. Die Saeulen sind wohl rund 1.600 Jahre alt, aber wirklich beeindruckt bin ich nicht. Ich gehe wieder zum Eingang und frage den Mann an der Kassa, ob das alles war. Er nickt und so gehe ich wieder raus. Spaeter erfahre ich, dass ich entweder am falschen Ort war, oder der Mann an der Kassa einfach keine Lust hatte, mir den Weg zu erklaeren.

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Ebenfalls wurden mir die Princess Islands waermstens empfohlen, die nur mit der Faehre erreichbar sind. Dafuer muss ich ueber die Bruecke in Richtung Norden und dann geht es vom Hafen in Kabatas zu den Inseln. Auf dem Boot treffe ich einen Inder, der ebenfalls alleine reist und er erzaehlt mir, dass er vor zwei Tagen Trickbetruegern in die Faenge gegangen ist. Ein Mann hat ihn angesprochen, sie gingen gemeinsam etwas trinken, dann kamen noch zwei Frauen dazu und am Ende gab es die viel zu teure Rechnung. Er hatte aber zum Glueck nicht viel Geld dabei und ebenfalls keine Kreditkarten, so verlor er nur knapp 80 Lira.

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Die Princess Islands sind ein beliebter Ort fuer die Bewohner Istanbuls im Sommer. So koennen sie der Sommerhitze der Stadt entgehen. Im Dezember ist auf den Inseln allerdings nichts los, daher fahre ich direkt nach Ankunft mit dem Inder wieder zurueck. Es wird dunkel und so sehen wir die beleuchtete Bruecke ueber den Bosporus.

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Mein Hostel ist nach wie vor langweilig und so gehe ich in das nebenan. Dort wohnt ja noch Leo und so trinken wir noch etwas Efes. Wir spielen Karten mit den anderen Hostelbewohnern. Allzulange kann ich aber nicht bleiben, da ich fuer morgen noch etwas planen muss. Es soll nach Sofia gehen und ich will noch ein paar Dinge klaeren.

Tag 88

Gestern ging es ja etwas laenger, also komme ich heute nicht vor 13h00 vom Hostel weg. Ich bin nicht super motiviert, um mir Sehenswuerdigkeiten anzusehen, aber heute soll der einzige schoene Tag sein. Bis jetzt hat es nur geregnet und auch die naechsten Tage werde ich wohl ohne Sonnenstrahlen auskommen muessen.

Mein Hostel ist direkt neben der Hagia Sophia und der Blauen Moschee. Ich habe die Bauten bereits einige Male im Vorbeigehen gesehen, aber heute lohnt es sich auch mal Fotos zu machen. Die Hagia Sophia kann man nur betreten wenn man rund 10 Euro bezahlt, also spare ich mir das.

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Die Blaue Moschee ist gratis und so stelle ich mich in die Warteschlage. Nachdem jeder die Schuhe ausgezogen hat, darf ich die Moschee betreten. Es riecht dezent nach schwitzigen Fuessen, dafuer sieht die Blaue Moschee von innen sehr schick aus. Genaugenommen ist sie ziemlich aehnlich wie die Moschee in Grozny, nur eben noch etwas groesser und mit mehr Touristen.

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Auch heute bleibe ich nicht ganz vom Regen verschont und so gehe ich rueber zum Bazar. Zuerst geht es zum Grossen Bazar. Wirklich beeindruckt bin ich aber nicht, da alles irgendwie zu clean wirkt. Der Gewuerz-Bazar ist da schon interessanter. Hier gibt es alle moeglichen Suessigkeiten und natuerlich massig Gewuerze. Die Sachen sind auch relativ guenstig, also koste ich mich durch.

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Nachdem ich die Suessigkeiten verdaut habe, gehe ich in ein Restaurant und esse dort etwas. Ein Typ spricht mich an und fragt woher ich komme, was ich hier mache, wohin ich gehe, die Standards. Ich bin gestern ueber Couchsurfing vor Typen gewarnt worden, die Alleinreisende ansprechen und anschliessend in einer Bar um viel Geld bringen. In den Warnungen war auch die Rede davon, dass wenn man nicht bezahlen will, eingeschuechtert und eventuell sogar verpruegelt wird. Ich passe also genau auf, was der Typ zu mir sagt und was er vor hat. Er fragt natuerlich nach meinen Plaenen fuer heute Abend und so sage ich ihm, dass ich mir gerne die Haare schneiden wuerde. Er begleitet mich zu einem Friseur. Auf dem Weg unterhalten wir uns und ich lasse staendig einfliessen, dass ich fast kein Geld mehr habe und morgen abreise. Er fragt mich trotzdem, ob wir nicht gemeinsam in eine Bar gehen wollen. Ich erklaere ihm meine finanzielle Situation erneut und so gehen wir weiter zum Friseur. Dort angekommen sind an der Scheibe die Preise angegeben, also kann es sich hierbei nicht um einen Betrug handeln. Der Firseur macht seine Sache in Ordnung und so gehe ich wieder zurueck zum Hostel.

Tag 87

Heute schliesse ich mich den Portugiesen an. Cesr ist Musiker und gespannt auf die Musikgeschaefte in Istanbul. Auf der noerdlichen Seite gibt es davon richtig viele. Wir verbringen so den ganzen Nachmittag und Cesr probiert einige der Musikinstrumente aus.

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Um 19h00 muessen die zwei zu einer Vorstellung und ich gehe zurueck zum Hostel. Dort treffe ich Leo, der eigentlich im Hostel nebenan wohnt, aber gerade draussen eine Zigarette raucht. Er kommt aus Berlin und ist derzeit mit seinem Bruder unterwegs in den Irak. Da seine Mutter fuer das Aussenministerium arbeitet, wollen sie dort gemeinsam Weihnachten feiern.

Es ist Freitag und so wollen wir uns die Bars Istanbuls ansehen. Wirklich ein grosses Budget haben wir nicht und so suchen wir rund eine Stunde nach einer guenstigen Bar im Zentrum. Wir finden sie auch und zahlen nur minimal mehr, als im Supermarkt. Nach einer Weile reicht es uns dann und wir gehen zurueck. Auf dem Rueckweg durchqueren wir ein etwas anderes Viertel Istanbuls. Hier brennen Holzscheite an der Hausmauer und Menschen waermen sich daran. Die Polizei faehrt permanent Streife und fuehrt Personenkontrollen durch.

Der Weg ist noch ziemlich lang und wir schon ziemlich muede, also nehmen wir uns ein Taxi. Da man normalerweise als Tourist von Taxis mit Taxometer abgezogen wird, machen wir vor der Fahrt einen Preis aus. Ich tippe einfach mal, dass wir nicht mehr als 10 Lira zahlen und so verhandeln wir. Der zweite Taxifahrer schlaegt ein und am Ende sind wir so sogar guenstiger unterwegs, als mit dem regulaeren Taxometer. Da es aber schon 5h00 ist, freut sich der Fahrer wohl auch ueber schlecht zahlende Kundschaft.

Tag 86

Um die Stadt zu erkunden, beschliesse ich einfach mal dem Ufer entlang zu spazieren. Auf dem Weg sehe ich vor allem viele Schiffe. Oeltanker, Containerschiffe, Passagierschiffe, eigentlich so ziemlich alles was schwimmt, nur in gross. Ich weiss nicht genau, wie lange ich gegangen bin, aber etwas ueber zwei Stunden werden es schon gewesen sein. Es ist Zeit fuer ein Mittagessen und so verabschiede ich mich vom Marmarameer und gehe Stadteinwaerts. Hier gibt es Kebab fuer unter 50 Cent. Der Preis stimmt, also greiffe ich zu. Mein Hostel liegt naemlich direkt neben der Blauen Moschee und Hagia Sophia und dementsprechend ist die ganze Gegend voellig ungeeignet, um auch nur annaehernd normale Preise zu bezahlen.

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Mit der Tram geht es zurueck zum Zentrum und ich beschliesse die Bruecke in Richtung Norden zu ueberqueren. Doch bevor man auf die andere Seite kommt, muss man zuerst an rund 50 bis 100 Fischern vorbei, die permanent 10cm lange Fische aus dem Wasser ziehen. Auf der noedlichen Seite liegt das eigentliche Zentrum von Istanbul. Es sind lange nicht mehr so viele Touristen, wie auf der suedlichen Seite und die Preise sind grossteils in Ordnung. Schade, dass mein Hostel nicht hier irgendwo liegt.

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Zum Abendessen hole ich mir einen Fischkebab. Verkauft wird direrekt von kleinen Boten, die massig Fische auf einer riesen Kochplatte grillen. Ich weiss nicht, ob es die gleichen Fische sind, die die Fischer von der Bruecke angeln, aber die Groesse würde passen.

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Am Abend treffe ich Gaith. Er kommt urspruenglich aus dem arabischen Teil des Iraks und lebt erst seit kurzem in Istanbul. Dazwischen hat er noch in Syrien gewohnt. Aufgrund der derzeitigen Situation musste er das Land verlassen. Er zeigt mir Bilder von ihm und einem Freund, als sie gerade Bier in der Naehe eines Checkpoints trinken. Sein Freund hat wohl genau in dem Moment gesagt, das alles ok ist und sie hier gemuetlich Bier trinken koennen. Anschliessend flog ihnen der Checkpoint um die Ohren.

Tag 85

Mit dem Bus will ich bis zur Autobahn, die nach Istanbul fuehrt. Ich sehe auf dem Weg ein Schild mit einem Pfeil nach Istanbul, daher steige ich aus und gehe die Autobahnauffahrt entlang. Wirklich viel Platz zum Stoppen finde ich hier allerdings nicht, also folge ich der Strasse. Als ich mich umdrehe, zeigt ein Pfeil in die entgegengesetzte Richtung auch nach Istanbul. So ganz kenne ich mich nicht mehr aus, also gehe ich wieder zurueck zur Busstation. Ein LKW-Fahrer sieht mich und hilft mir schlussendlich zur richtigen Auffahrt zu kommen. Leider vergesse ich mein Schild in dem Truck und so muss ich wieder etwas der Strasse entlang gehen, bis ich ein neues Stueck Karton finde.

Es dauert nicht lange und ein LKW bleibt stehen. Er will heute bis nach Istanbul fahren. Ich freue mich. Auf der Fahrt halten wir an einer Raststaette und essen etwas mit seinem Bruder, der im LKW vor ihm faehrt. Der Weg fuehrt ueber einige Berge und ein paar sind auch schon etwas mit Schnee bedeckt. Langsam aber sicher kommt der Winter.

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Rund 60 Kilometer vor Istanbul haelt er dann an und erklaert mir, dass er seine Pausenzeiten einhalten muesse. Fuer mich ist hier also erstmals Endstation. Es ist bereits dunkel, doch wirklich eine Wahl habe ich nicht. Ich will weiter nach Istanbul. Zuerst versuche ich auf der Autobahn zu stoppen, doch die Autos sind zu schnell und ich werde zu schlecht gesehen. So beschliesse ich die Gaeste an der Rastation zu fragen, leider mit beischeidenem Erfolg. Die letzte Moeglichkeit ist also Autos zu stoppen, die von der Autobahn zur Rastation abfahren. Das klappt auch innerhalb von 20 Minuten und nach ein paar Tassen Tee geht die Fahrt weiter.

In Istanbul ist wahnsinnig viel Verkehr, die Stadtautobahn ist hoffnungslos ueberlastet und der Verkehr bewegt sich nur Schritt fuer Schritt vorwaerts. Irgendwann haben wir es dann aber geschafft und ueberqueren den Bosporus. Tschuess Asien, hallo Europa!

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Ich werde im Stadtzentrum rausgelassen. Hinter dem Auto steht schon ein Bus an der Haltestelle. Der Busfahrer hat gesehen, dass ich trampe und laesst mich kostenlos mitfahren. Sonst muss man sich vorab irgendwo Tickets kaufen, Barzahlung ist nicht moeglich. Die Menschen sind freundlich und helfen mir mit dem Weg. Nachdem ich zweimal umsteige und ein bisschen herumfrage, steige ich in der Nähe eines Hostels aus. Ich will mein Bett beziehen, das laut Informationen aus dem Internet rund 4 Euro kosten soll. An der Rezeption wird mir dann allerdings gesagt, dass es sich bei diesem Preis um ein Bett im Zelt handelt. Fuer ein Zelt auf der Terasse ist es aber schon zu kalt und so muss ich wohl oder uebel das Bett fuer 8 Euro nehmen.

Als ich das 16 Betten Dorm betrete, ist die Raumtemperatur nur minimal hoeher als draussen. Ich zahle trotzdem den vollen Preis. Es gibt auch Heizstrahler, aber da die Decke mit duennen Bambusstaeben verkleidet ist und die Strahler nur ein paar Zentimeter darunter sind, lege ich mir lieber zwei Decken zusaetzlich ins Bett.

Nach einem kleinen und viel zu teurem Kebab bin ich wieder beim Hostel. Dort treffe ich dann Cesr und seine Freundin, die aus Portugal kommen. Er macht derzeit Erasmus in Sofia und sie besucht ihn gerade. Wir trinken ein Bier aus dem Supermarkt. Mit den haeftigen Alkoholsteuern in der Tuerkei kostet das allerdings fast so viel, wie in einer Bar in Berlin.

Tag 84

Vor einiger Zeit wurde mir ja das Portemonnaie geklaut und ich bin seit dem ohne Krankenkarte und zusaetzlicher Kreditkarte unterwegs. Meine Mutter hat nun diese Karten ueber die Arbeit nach Ankara geschickt und ich kann sie heute bei der Oesterreichischen Aussenhandelsstelle abholen.

In der Aussenhandelsstelle gibt es erst mal frischen Kaffee, als ich auf die Frau warte, die mir die Karten geben soll. Als sie dann Zeit hat, unterhalten wir uns noch ein wenig und ich erzaehle ueber meine Reise. Waere ich noch etwas laenger geblieben, haetten wir auch noch gemeinsam gegessen. Ich will mir aber heute noch das Mausuleum von Atatuerk ansehen und weiss nicht genau, wie lange die Sache dauert, also mache ich mich auf den Weg.

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Beim Betreten des Areals muss man zuerst durch einen Metalldedektor und alle Autos werden durchsucht. Es wird sichergestellt, dass dem toten Nationalhelden der Tuerkei nichts passiert. Natuerlich halten ein paar Soldaten Wache, allerdings bin ich etwas enttaeuscht, als ich sehe, dass sie in gemuetlich warmen Glaskaesten stehen. Ein bisschen Haerte haette ich mir beim tuerkischen Militaer schon erwartet.

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Der Platz vor dem Mausulem ist menschenleer und ich freue mich schon, dass es eventuell im Museum auch so ist. Leider habe ich die Rechnung ohne den unzaehligen Schulklassen gemacht, die wohl von der ganzen Tuerkei kommen um einmal die Grabstaette gesehen zu haben. Alle schreien durcheinander und der Tourguide tut sein Bestes, um noch gehoert zu werden. Die Lehrerinnen sind auch nicht besser, alle 10 Sekunden hoert man ein extrem lautes „Pssssst!!!“.

Im Museum wird alles erklaert, was Atatuerk gemacht hat. Welche Schlachten er geschlagen hat und wie er die heutige Tuerkei gegruendet hat. Spannend finde ich, dass er einige Entwicklungen im sozialen Bereich vorangetrieben hat, die derzeit wohl nicht mehr ueberall in der Tuerkei gelebt werden. Nach Atatuerks Meinung sollten Frauen gleichgestellt sein. Er hat sich stark dafuer eingesetzt sekulare Schulen und Universitaeten zu etablieren und somit die Religion aus der Lehre zu verbannen.

Als ich zurueck gehe, verlaufe ich mich etwas, da ich vergessen habe, mir die Adresse meines Hotels aufzuschreiben. Es regnet zwar nach wie vor, aber immerhin sehe ich so noch etwas von der Stadt. Das Zentrum ist nicht wirklich aussergewoehnlich. Es gibt viele Geschaefte, die alles Moegliche verkaufen. Herumzuspazieren wird durch den huegeligen Untergrund dann irgendwann anstrengend, also frage ich ein paar Leute nach dem Weg.

Bevor ich das Hotel betrete, verbringe ich noch etwas Zeit im Internet Cafe gegenueber. Ismael ist auch wieder da und wir trinken etwas Tee zusammen.

Tag 83

Ich stehe heute um 6h30 auf. Das Fruehstueck wird uebersprungen, da es am spaeteren Vormittag zu regnen beginnen soll und ich noch die paar Stunden am Morgen nutzen will. Ich gehe ein paar Kilometer bis nach Cavusin. Von dort will ich eigentlich in den Love Valley. Leider finde ich den Eingang nicht und so wandere und klettere ich rund eine Stunde zwischen den Felsen herum.

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Irgendwann komme ich dann auch zu meinem Ziel, jedoch bin ich rund 200 Meter ueber dem Tal und es gibt keine Moeglichkeit hinunter zu klettern, da die Felswaende einfach zu steil sind. Immerhin sehe ich die riesigen Felstuerme in Penisform, daher auch der Name „Love Valley“.

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Nach einer weiteren Stunde bin ich wieder beim Hostel und hole meinen Rucksack ab. Mit dem lokalen Bus geht es nach Nefschehir. Die Stadt ist groesser als Goereme, also sind die Chancen von hier nach Ankara zu trampen etwas besser. Ich stehe rund 15 Minuten an der Autobahn nach Ankara, bis ein Mann auf mich zukommt und meint, dass er einen besseren Ort zum Trampen kennt. Er bringt mich mit seinem Pick-Up bis zu der Tankstelle fuer die der arbeitet. Der Weg nach Ankara ist ueber diese Strasse etwas laenger, dafuer gibt es aber auch mehr Verkehr. Nach 20 Minuten nimmt mich dann ein Sales Manager mit. Wir fahren rund 100 Kilometer gemeinsam bis er nach links abbiegt und ich nach rechts weiter muss. Ich stehe wieder an der Autobahn und wieder kommt ein Mann auf mich zu. Er fragt mich irgendetwas auf Tuerkisch. Ich erklaere ihm, dass ich ohne Geld trampe und er haelt mich wohl fuer etwas verrueckt. Ich habe mir sagen lassen, dass in der Tuerkei viele Menschen trampen, jedoch erwartet keiner Geld von einem Auslaender, bei Tuerken sieht das anders aus. Ich entferne mich von ihm und nach ein paar Minuten nimmt mich ein LKW mit. Der Fahrer ist ca. 60 Jahre alt und spricht weder Englisch noch Deutsch, also verlaeuft die Fahrt sehr ruhig.

Am Autobahnring von Ankara werde ich rausgelassen. Es gibt hier leider nicht wirklich viel Platz und die Autos zischen mit ueber 100 Km/H an mir vorbei. Es wird schoen langsam dunkel, doch da haelt ein Kleintransporter. Wir stoppen nach zwei Kilometer, essen etwas Brot und trinken Ayran. Es geht in Richtung Zentrum. Der Beifahrer ist wohl sehr religioes und legt mir nahe mich Beschneiden zu lassen. Ich sage ihm, dass ich darueber nachdenke und so sind wir Freunde. Als ich dann aussteige, geht er mit mir noch auf Hotelsuche und so finden wir eine Unterkunft fuer 30 Lira die Nacht. Der Preis ist nicht extrem guenstig, aber in Ankara sind alle Hotels etwas teurer. Hostels gibt es in der Hauptstadt der Tuerkei leider nicht.

Am Abend gehe ich in das gegenueberliegende Internetcafe und waehrend ich eine Zigarette rauche, rede ich etwas mit dem Personal. Es stellt sich heraus, dass der Typ mit dem ich spreche auch Couchsurfer und Hitch-Hiker ist. Ich rede ueber meine Reiseroute und als ich Makhachkala erwaehne, wird er hellhoerig. Ismael hat naemlich vor, die gleiche Reise wie ich zu machen, nur in die andere Richtung. Er hat sogar bereits Kontakt mit meinem Host in Makhachkala aufgenommen. Ein paar Tassen Tee spaeter, gehe ich wieder zureck zum Hotel. Es ist Zeit fuers Bett.

Tag 82

Gestern habe ich noch mit zwei Tschechen geredet, die gerade ein Austauschsemester in Istanbul machen. Sie wollen heute zu einer Untergrundstadt in Derinkuyu. Ich bin am Anfang noch nicht so begeistert von der Idee. Als ich dann aber hoere, dass hier frueher um die 10.000 Menschen bis zu 80 Meter unter der Erde gewohnt haben, bin ich dabei.

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Mit zwei Bussen fahren wir zur Untergrundstadt. Ein Mann will fuer uns den Tourguide spielen und erzaelt die Geschichte des ersten Stocks. Hier wurden Tiere beherbergt, die mit Hife eines Tunnelsystems von der Weide in die Untergrundstadt getrieben wurden. Auch Wein wurde hier unterirdisch hergestellt. Wir sehen ausserdem noch Kochstellen und Schlafplaetze. Fuer die weitere Tour will der Mann Geld, also sagen wir ab. Die Hoehle auf eigene Faust zu erkunden, macht sowieso mehr Spass.

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Die Gaenge sind eng und niedrig. Meistens muss man gebueckt die Treppen hinabsteigen. Der Grossteil der Stadt ist beleuchtet, doch gerade die nicht beleuchteten Gaenge ueben eine groessere Faszination aus. Als wir einen dieser Gaenge folgen, kommen wir zum Belueftungssystem der Stadt. Ein Tiefes Loch mit einem Durchmesser von rund 2m versorgt die ganze Anlage mit genuegend Sauerstoff.

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Als wir 50 Meter unter der Erde sind, finden wir eine Kirche vor. Allerdings erinnert nur mehr die Kreuzform daran, dass hier frueher gepraedigt wurde. Die restliche Stadt besteht aus vielen vielen Wohnraeumen und Kuechen. Ausserdem sieht man noch riesige kreisfoermige Steine neben den Gaengen. Diese Steine konnte man einfach in den Gang rollen und der Weg war fuer Eindringlinge versperrt.

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Wir wollen wieder mit dem Bus zurueckfahren, doch selbst nach einer Stunde warten wir noch immer. In Derinkuyu ist nicht wirklich viel Verkehr, wir versuchen aber trotzdem zu trampen. Nach 10 Minuten kommt das erste Auto vorbei und nimmt uns auch direkt mit. Es sind zwei Frauen aus Istanbul, die hier auch Touristen sind. Das ist dann auch fuer mich eine Premiere, noch nie zuvor wurde ich von einer Frau mitgenommen.

Wieder in Goereme drehe ich noch eine Runde durch die Schluchten, bis dann die Sonne untergeht. Es geht wieder zurueck zum Hostel und der Abend verlaeuft auch heute ruhig. Alkohol ist in der Tuerkei verdammt teuer und so trinken wir wieder mal Tee.

Tag 80

Der Tag heute ist ausschliesslich zum Trampen gedacht. Von Bismil bis nach Goereme sind es 727 Kilometer. Laut Google Maps sind dafuer 10h30 veranschlagt. Ich bin also gespannt, ob ich alles an einem Tag schaffe. Die Sonne geht mittlerweile viel zu frueh unter und so muss ich um 16h30 schon im letzten Auto sitzen, da Trampen in der Dunkelheit nicht wirklich einfach ist.

Ich stehe also um 6h30 auf und packe alles zusammen. In einem Geschaeft bekomme ich etwas Karton und schreibe die naechste Stadt darauf, um sicherzugehen, dass die Fahrt ueber die sichere noerdliche Route und nicht an der Grenze Syriens entlangfuehrt. Es dauert leider ewig bis ich die richtige Strasse zum Trampen finde, da mir irgendwie jeder Passant andere Informationen gibt. Ein paar schicken mich zum Busbahnhof, andere einfach irgendeine Strasse runter, die ins Nichts fuehrt. Irgendwann habe ich es dann aber geschafft und ein Auto nimmt mich mit. Der Fahrer ist Kurde und wir fahren gemeinsam bis nach Diyarbakir, als ich von meiner Reise durch Kurdistan erzaehle, freut er sich. Er laedt mich noch zum Fruehstueck ein und so essen wir Pide und trinken Tee. Er faehrt zwar nicht mehr aus der Stadt raus, bringt mich aber noch an eine Strasse die nach Elazig fuehrt.

Als ich an der Strasse stehe, bekomme ich einen sanften Hieb mit einem Stock auf die Schulter. Ich drehe mich um und hinter mir steht ein rund 70 jaehriger Hirte, der sich nicht ganz auskennt, was ich hier mache. Ich versuche es ihm zu erklaeren, da ich aber so gut wie kein Tuerkisch kann, hat das alles keinen Sinn. Ich entferne mich also von ihm und seinen 50 Schafen.

Nach einer halben Stunde werde ich dann mitgenommen. Der Fahrer ist Vertreter und gerade auf einer Geschaeftsreise nach Elazig unterwegs. Als wir so reden, stellt sich heraus, dass er nach seinem Termin bis nach Kayseri faehrt. Die Stadt liegt in der Nähe von Goereme, also will ich den Geschaeftstermin abwarten und dann wieder mit ihm mitfahren. In Elazig fahren wir in ein riesen Textilgeschaeft und es gibt wieder mal Tee. Der Fahrer verhandelt rund 2 Stunden und ich unterhalte mich derweil mit einem anderen Angestellten, der frueher in Deutschland gearbeitet hat.

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Das Geschaeft ist abgeschlossen, also geht die Fahrt weiter. Wir haben gutes Wetter und machen eine Raucherpause bei einem See. Das ist ueberigens der erste Fahrer, mit dem ich mitgefahren bin, der zwar raucht, dafuer allerdings stehen bleibt. Gerade in der Tuerkei ist das hoechst selten. Trotz Rauchverbot in Cafes und Restaurants wird hier ueberall gequalmt.

Wir kommen in Kayseri so gegen 19h00 an, es macht also keinen Sinn heute noch weiter nach Goereme zu trampen. Der Fahrer steuert ein Wohnhaus an und steigt aus. Er fordert mich auf ihm zu folgen und so betreten wir seine Wohnung. Es empfangen uns sein Sohn und seine Frau. Der Sohn ist 23 Jahre alt und studiert derzeit in Zypern. Zum Glueck spricht er Englisch und so kann er fuer den Rest der Familie dolmetschen. Wir essen alle gemeinsam und es dauert nicht lange, bis die Frage nach meiner Unterkunft kommt. Ich erklaere ihnen, dass ich mir wohl ein guenstiges Hotel suchen werde. Als sie das hoeren, bieten sie mir einen Schlafplatz in der Wohnung an. Mich freut das natuerlich und so kann mir Ouz, der Sohn, die Stadt zeigen.

Wir fahren auf einen Huegel um ueber Kayseri zu blicken. Die Stadt ist nicht wirklich besonders, sie steht aber im starken Kontrast zu dem was ich die letzten Wochen so gewohnt war. Die Strassen sind gerade und sauber, alles wirkt relativ neu und die Gebaude sind deutlich hoeher. Als wir den Huegel wieder hinunter fahren, erklaert mir Ouz, dass es in seiner Stadt keine Bars gibt. Wir fahren also in ein Cafe. So schlimm ist die Sache auch nicht, ich will ja morgen wieder frueh aufstehen.

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Im Cafe spielen wir Backgammon und trinken Tee. Es ist schon eine Weile her, dass ich das Spiel gespielt habe, aber die Regeln sind ja nicht allzu kompliziert. Irgendwann ist es dann Mitternacht und wir machen uns auf zur Wohnung.