Tag 83

Ich stehe heute um 6h30 auf. Das Fruehstueck wird uebersprungen, da es am spaeteren Vormittag zu regnen beginnen soll und ich noch die paar Stunden am Morgen nutzen will. Ich gehe ein paar Kilometer bis nach Cavusin. Von dort will ich eigentlich in den Love Valley. Leider finde ich den Eingang nicht und so wandere und klettere ich rund eine Stunde zwischen den Felsen herum.

DSC02145

Irgendwann komme ich dann auch zu meinem Ziel, jedoch bin ich rund 200 Meter ueber dem Tal und es gibt keine Moeglichkeit hinunter zu klettern, da die Felswaende einfach zu steil sind. Immerhin sehe ich die riesigen Felstuerme in Penisform, daher auch der Name „Love Valley“.

DSC02149

Nach einer weiteren Stunde bin ich wieder beim Hostel und hole meinen Rucksack ab. Mit dem lokalen Bus geht es nach Nefschehir. Die Stadt ist groesser als Goereme, also sind die Chancen von hier nach Ankara zu trampen etwas besser. Ich stehe rund 15 Minuten an der Autobahn nach Ankara, bis ein Mann auf mich zukommt und meint, dass er einen besseren Ort zum Trampen kennt. Er bringt mich mit seinem Pick-Up bis zu der Tankstelle fuer die der arbeitet. Der Weg nach Ankara ist ueber diese Strasse etwas laenger, dafuer gibt es aber auch mehr Verkehr. Nach 20 Minuten nimmt mich dann ein Sales Manager mit. Wir fahren rund 100 Kilometer gemeinsam bis er nach links abbiegt und ich nach rechts weiter muss. Ich stehe wieder an der Autobahn und wieder kommt ein Mann auf mich zu. Er fragt mich irgendetwas auf Tuerkisch. Ich erklaere ihm, dass ich ohne Geld trampe und er haelt mich wohl fuer etwas verrueckt. Ich habe mir sagen lassen, dass in der Tuerkei viele Menschen trampen, jedoch erwartet keiner Geld von einem Auslaender, bei Tuerken sieht das anders aus. Ich entferne mich von ihm und nach ein paar Minuten nimmt mich ein LKW mit. Der Fahrer ist ca. 60 Jahre alt und spricht weder Englisch noch Deutsch, also verlaeuft die Fahrt sehr ruhig.

Am Autobahnring von Ankara werde ich rausgelassen. Es gibt hier leider nicht wirklich viel Platz und die Autos zischen mit ueber 100 Km/H an mir vorbei. Es wird schoen langsam dunkel, doch da haelt ein Kleintransporter. Wir stoppen nach zwei Kilometer, essen etwas Brot und trinken Ayran. Es geht in Richtung Zentrum. Der Beifahrer ist wohl sehr religioes und legt mir nahe mich Beschneiden zu lassen. Ich sage ihm, dass ich darueber nachdenke und so sind wir Freunde. Als ich dann aussteige, geht er mit mir noch auf Hotelsuche und so finden wir eine Unterkunft fuer 30 Lira die Nacht. Der Preis ist nicht extrem guenstig, aber in Ankara sind alle Hotels etwas teurer. Hostels gibt es in der Hauptstadt der Tuerkei leider nicht.

Am Abend gehe ich in das gegenueberliegende Internetcafe und waehrend ich eine Zigarette rauche, rede ich etwas mit dem Personal. Es stellt sich heraus, dass der Typ mit dem ich spreche auch Couchsurfer und Hitch-Hiker ist. Ich rede ueber meine Reiseroute und als ich Makhachkala erwaehne, wird er hellhoerig. Ismael hat naemlich vor, die gleiche Reise wie ich zu machen, nur in die andere Richtung. Er hat sogar bereits Kontakt mit meinem Host in Makhachkala aufgenommen. Ein paar Tassen Tee spaeter, gehe ich wieder zureck zum Hotel. Es ist Zeit fuers Bett.

Werbeanzeigen

Tag 82

Gestern habe ich noch mit zwei Tschechen geredet, die gerade ein Austauschsemester in Istanbul machen. Sie wollen heute zu einer Untergrundstadt in Derinkuyu. Ich bin am Anfang noch nicht so begeistert von der Idee. Als ich dann aber hoere, dass hier frueher um die 10.000 Menschen bis zu 80 Meter unter der Erde gewohnt haben, bin ich dabei.

DSC02107

Mit zwei Bussen fahren wir zur Untergrundstadt. Ein Mann will fuer uns den Tourguide spielen und erzaelt die Geschichte des ersten Stocks. Hier wurden Tiere beherbergt, die mit Hife eines Tunnelsystems von der Weide in die Untergrundstadt getrieben wurden. Auch Wein wurde hier unterirdisch hergestellt. Wir sehen ausserdem noch Kochstellen und Schlafplaetze. Fuer die weitere Tour will der Mann Geld, also sagen wir ab. Die Hoehle auf eigene Faust zu erkunden, macht sowieso mehr Spass.

DSC02122

Die Gaenge sind eng und niedrig. Meistens muss man gebueckt die Treppen hinabsteigen. Der Grossteil der Stadt ist beleuchtet, doch gerade die nicht beleuchteten Gaenge ueben eine groessere Faszination aus. Als wir einen dieser Gaenge folgen, kommen wir zum Belueftungssystem der Stadt. Ein Tiefes Loch mit einem Durchmesser von rund 2m versorgt die ganze Anlage mit genuegend Sauerstoff.

DSC02102

Als wir 50 Meter unter der Erde sind, finden wir eine Kirche vor. Allerdings erinnert nur mehr die Kreuzform daran, dass hier frueher gepraedigt wurde. Die restliche Stadt besteht aus vielen vielen Wohnraeumen und Kuechen. Ausserdem sieht man noch riesige kreisfoermige Steine neben den Gaengen. Diese Steine konnte man einfach in den Gang rollen und der Weg war fuer Eindringlinge versperrt.

DSC02136

Wir wollen wieder mit dem Bus zurueckfahren, doch selbst nach einer Stunde warten wir noch immer. In Derinkuyu ist nicht wirklich viel Verkehr, wir versuchen aber trotzdem zu trampen. Nach 10 Minuten kommt das erste Auto vorbei und nimmt uns auch direkt mit. Es sind zwei Frauen aus Istanbul, die hier auch Touristen sind. Das ist dann auch fuer mich eine Premiere, noch nie zuvor wurde ich von einer Frau mitgenommen.

Wieder in Goereme drehe ich noch eine Runde durch die Schluchten, bis dann die Sonne untergeht. Es geht wieder zurueck zum Hostel und der Abend verlaeuft auch heute ruhig. Alkohol ist in der Tuerkei verdammt teuer und so trinken wir wieder mal Tee.

Tag 80

Der Tag heute ist ausschliesslich zum Trampen gedacht. Von Bismil bis nach Goereme sind es 727 Kilometer. Laut Google Maps sind dafuer 10h30 veranschlagt. Ich bin also gespannt, ob ich alles an einem Tag schaffe. Die Sonne geht mittlerweile viel zu frueh unter und so muss ich um 16h30 schon im letzten Auto sitzen, da Trampen in der Dunkelheit nicht wirklich einfach ist.

Ich stehe also um 6h30 auf und packe alles zusammen. In einem Geschaeft bekomme ich etwas Karton und schreibe die naechste Stadt darauf, um sicherzugehen, dass die Fahrt ueber die sichere noerdliche Route und nicht an der Grenze Syriens entlangfuehrt. Es dauert leider ewig bis ich die richtige Strasse zum Trampen finde, da mir irgendwie jeder Passant andere Informationen gibt. Ein paar schicken mich zum Busbahnhof, andere einfach irgendeine Strasse runter, die ins Nichts fuehrt. Irgendwann habe ich es dann aber geschafft und ein Auto nimmt mich mit. Der Fahrer ist Kurde und wir fahren gemeinsam bis nach Diyarbakir, als ich von meiner Reise durch Kurdistan erzaehle, freut er sich. Er laedt mich noch zum Fruehstueck ein und so essen wir Pide und trinken Tee. Er faehrt zwar nicht mehr aus der Stadt raus, bringt mich aber noch an eine Strasse die nach Elazig fuehrt.

Als ich an der Strasse stehe, bekomme ich einen sanften Hieb mit einem Stock auf die Schulter. Ich drehe mich um und hinter mir steht ein rund 70 jaehriger Hirte, der sich nicht ganz auskennt, was ich hier mache. Ich versuche es ihm zu erklaeren, da ich aber so gut wie kein Tuerkisch kann, hat das alles keinen Sinn. Ich entferne mich also von ihm und seinen 50 Schafen.

Nach einer halben Stunde werde ich dann mitgenommen. Der Fahrer ist Vertreter und gerade auf einer Geschaeftsreise nach Elazig unterwegs. Als wir so reden, stellt sich heraus, dass er nach seinem Termin bis nach Kayseri faehrt. Die Stadt liegt in der Nähe von Goereme, also will ich den Geschaeftstermin abwarten und dann wieder mit ihm mitfahren. In Elazig fahren wir in ein riesen Textilgeschaeft und es gibt wieder mal Tee. Der Fahrer verhandelt rund 2 Stunden und ich unterhalte mich derweil mit einem anderen Angestellten, der frueher in Deutschland gearbeitet hat.

DSC02017

Das Geschaeft ist abgeschlossen, also geht die Fahrt weiter. Wir haben gutes Wetter und machen eine Raucherpause bei einem See. Das ist ueberigens der erste Fahrer, mit dem ich mitgefahren bin, der zwar raucht, dafuer allerdings stehen bleibt. Gerade in der Tuerkei ist das hoechst selten. Trotz Rauchverbot in Cafes und Restaurants wird hier ueberall gequalmt.

Wir kommen in Kayseri so gegen 19h00 an, es macht also keinen Sinn heute noch weiter nach Goereme zu trampen. Der Fahrer steuert ein Wohnhaus an und steigt aus. Er fordert mich auf ihm zu folgen und so betreten wir seine Wohnung. Es empfangen uns sein Sohn und seine Frau. Der Sohn ist 23 Jahre alt und studiert derzeit in Zypern. Zum Glueck spricht er Englisch und so kann er fuer den Rest der Familie dolmetschen. Wir essen alle gemeinsam und es dauert nicht lange, bis die Frage nach meiner Unterkunft kommt. Ich erklaere ihnen, dass ich mir wohl ein guenstiges Hotel suchen werde. Als sie das hoeren, bieten sie mir einen Schlafplatz in der Wohnung an. Mich freut das natuerlich und so kann mir Ouz, der Sohn, die Stadt zeigen.

Wir fahren auf einen Huegel um ueber Kayseri zu blicken. Die Stadt ist nicht wirklich besonders, sie steht aber im starken Kontrast zu dem was ich die letzten Wochen so gewohnt war. Die Strassen sind gerade und sauber, alles wirkt relativ neu und die Gebaude sind deutlich hoeher. Als wir den Huegel wieder hinunter fahren, erklaert mir Ouz, dass es in seiner Stadt keine Bars gibt. Wir fahren also in ein Cafe. So schlimm ist die Sache auch nicht, ich will ja morgen wieder frueh aufstehen.

DSC02023

Im Cafe spielen wir Backgammon und trinken Tee. Es ist schon eine Weile her, dass ich das Spiel gespielt habe, aber die Regeln sind ja nicht allzu kompliziert. Irgendwann ist es dann Mitternacht und wir machen uns auf zur Wohnung.

Tag 79

Mein Visum ist noch fuer drei Tage gut, aber ich muss mich beeilen, um wieder nach Oesterreich zu kommen. Heute ist also Abreisetag, es geht wieder zurueck in die Tuerkei. Ich stehe relativ zeitig auf, verabschiede mich noch von Bill und Jess und treffe mich mit Karwan in seinem Restaurant. Wir fruehstuecken noch gemeinsam und nachdem er mich mit etwas Wasser fuer den Weg versorgt, spaziere ich der Strasse entlang und versuche an den Stadtrand zu kommen.

Ein bisschen Wehmut ist dabei, jetzt wieder alleine zu reisen, aber es hat auch sehr viel Gutes. Ich bin wieder ausschliesslich von mir selbst abhaengig und es gibt auch keine Noergeleien mehr von Jess, die sich im Irak nicht immer wohl gefuehlt hat.

Nach ein paar Kilometer habe ich einen guten Platz gefunden und das uebliche Spiel beginnt. Ich scheuche die Taxis weg und halte mein Schild offensiv zu allen anderen Verkehrsteilnehmern. Ein brandneuer Chrysler bleibt stehen und nimmt mich ein paar Kilometer mit. Er kann mich zwar nicht ganz bis zur Grenzstadt Zacho brigen, dafuer zahlt er mir fuer die letzten Kilometer das Taxi. Ich komme somit bis direkt vor die Grenze und muss nun eine Moeglichkeit finden, die Grenze mit einem Auto zu ueberqueren. Grenzuebertritte zu Fuss sind verboten. Es dauert nich lange und ein Junge kommt auf mich zu und bietet mir an, mit ihm ueber die Grenze zu fahren. Das soll allerdings etwas kosten. Aus Mangel an Alternativen druecke ich ihm meine letzten Irak-Dinar in die Hand, er nickt und es geht los.

DSC01993

Der ganze Uebertritt dauert rund 1h30. Ausschliesslich Kleintransporter und LKWs befinden sich an der Grenze und alle, wirklich alle schmuggeln massig Zigaretten. Ich habe natuerlich auch ein paar Zigaretten dabei, allerdings bin ich wohl der Einzige, der sich an die gesetzlichen Limits haelt.

Ich kann mit den Jungs sogar bis nach Cizre fahren, was an der Grenze zum Irak und Syrien liegt. Aufgrund der derzeitigen Situation und den Aktivitaeten der PKK, gibt es auch hier Militaer-Checkpoints. Anders als im Irak, kann man hier nicht gemuetlich mit den Uniformierten quatschen. Waehrend unsere Paesse kontrolliert werden, zielt ein anderer Soldat auf unsere Koepfe.

Mit zwei weiteren Autos komme ich dann bis nach Batman. Heute wollte ich aber weiter kommen, doch es wird schon dunkel. Die einzige Moeglichkeit ist nun der Bus. Ich gehe zum Busbahnhof und kaufe mir ein Ticket fuer 2 Euro in die naechste Stadt. Irgendwie glaube ich, dass ich von einer kleinen Stadt leichter wegtrampen kann, da ich den Stadtrand schneller erreiche.

DSC02008

In Bismil angekommen, stellt sich heraus, dass es genau ein Hotel in der Stadt gibt. Zuerst will der Rezeptionist 50 Lira, ich kann ihn noch auf 40 runter handeln, dann ist aber schluss. Es waere wohl schlauer gewesen in Batman zu bleiben, da es mehr Konkurrenz und somit bessere Preise gibt.

Den Abend verbrige ich im Internetcafe, zumindest solange bis der Strom ausfaellt und sich fuer lange Zeit nichts mehr ruehert. Es ist zwar erst 21h30, aber ich gehe zurueck zum Hotel. Morgen soll es frueh losgehen, da ich etwas ueber 700 Kilometer schaffen will.

Tag 66

Wir troedeln etwas herum und essen wieder tuerkisches Fruehstueck. Es wird spaeter und spaeter. Wahrend unseres Weges zur Autobahn kommen wir an den Truemmern des Erdbebens in Van vorbei, einige Haeuser sind noch immer nicht abgerissen und haengen neben den stabileren Bauten hinunter.

Erst um ca. 13h00 sind wir an der Autobahn. Als wir dort das Schild hochhalten, kommen massig Kinder auf uns zu, um uns zu helfen. Ich habe das in den vorherigen Posts nicht erwaeht, doch alle Kurden sind wahnsinnig begeistert von Auslaendern. Es ist sehr leicht mit einem Fremden in der Strasse ein Gespraech anzufangen. Die Kinder allerdings, stoeren etwas. Es ist unmoeglich ein Auto zu stoppen wenn rund 15 Kinder um einen rumspringen. Wir versuchen das den Kindern klar zu machen, doch es hilft natuerlich nichts. Wir muessen also weiter entlang der Strasse gehen.

Unser neuer Platz ist neben einer Kaserne gelegen und als wir das Schild hochhalten, kommt ein Kommandant vorbei. Er warnt uns vor dem Weg und macht uns klar, dass die Strasse fuer Auslaender gesperrt ist. Grund dafuer sind Aktivitaeten der PKK und anderer terroristischer Gruppen. Wir muessen also wieder durch die ganze Stadt laufen, um zu einer anderen Autobahn zu kommen. Die Strasse soll dieses Mal direkt am See entlang fuehren.

Trampen in der Tuerkei macht richtig Spass. Auch wenn Autos nicht in die gewuenschte Richtung fahren, lachen uns die Menschen an und winken uns zu. Wir beschliessen, dass Jess das Schild halten soll. Bill und ich halten uns etwas im Hintergrund, so sollte die ganze Sache ziemlich schnell funktionieren. Das ist dann auch der Fall und wir koennen bis nach Tatvan mitfahren. Auf dem Weg kommen wir an der Insel vorbei, auf die ich eigentlich wollte. Dafuer ist jetzt allerdings keine Zeit mehr, ein Foto im Vorbeifahren muss reichen.

Wir wollen eigentlich heute bis nach Silopi kommen, doch es wird spaeter und spaeter. Wir entscheiden uns also dafuer, erst nach Batman zu fahren und dann am naechsten Tag nach Silopi zu trampen. Bei einigen Staedten auf dem Weg sind wir uns nicht sicher wie es mit der aktuellen Sicherheitslage aussieht, also ist das die beste Option. Wir kommen mit einem weiteren Auto bis nach Bitlis und werden zu einer Busstation gebracht. Der Mann in der Station erklaert uns, dass wir einen Bus bis nach Batman nehmen koennen und im Anschluss nach Silopi. Das klingt alles sehr gut, also entscheiden wir uns, etwas Geld in die Hand zu nehmen und uns die Nacht in Batman zu sparen. Vor Abfahrt gibt es noch wahnsinnig leckere Pide und so geht es gut gestaerkt nach Batman.

Dort angekommen, erklaert uns der Fahrer, dass wir am falschen Busbahnhof sind. Als er anfaengt uns zu erklaeren, dass wir ein Taxi nehmen muessen, schuettelt er den Kopf und faehrt uns mit seinem Mini-Bus dort hin. An diesem Busterminal sehen wir sogar Busse, die direkt in den Irak fahren, also entscheiden wir uns fuer nicht ganz guenstige 60 Lira nach Duhok zu fahren. Die Fahrt ist angenehm, es gibt sogar Fernseher, Saefte, Wasser, den kompletten Service. Im Internet habe ich einiges ueber den Grenzuebertritt gelesen. Von sehr sehr gruendlichen Kontrollen, bis hin zu 1-2 stuendigen Interviews war alles dabei. Als wir aber an der Grenze sind, laeuft die ganze Sache sehr entspannt ab. Wir werden in einen Warteraum gebeten. Nach der Reihe werden die Passagiere des Busses aufgerufen und sie bekommen ihren Pass wieder. Ganz ohne Interview komme ich allerdings nicht davon, die Fragen sind aber mehr als einfach:

Where are you from? Austria

Where are you going to? Duhok and Erbil

Why do you want to Visit Iraq? Tourism

What is your profession? Student

Die Antworten waren einfach und befriedigend fuer den Grenzer und so bekomme ich meinen Stempel. Ich darf mich nun 15 Tage lang in der kurdischen Provinz, im Irak aufhalten. Der ganze Grenzuebertritt mit einem halb gefuellten Reisebus hat gerade einmal eine Stunde gedauert und so geht es in Richtung Sueden. Wir fahren vorbei an kilometerlangen Warteschlangen von LKWs, die in die Tuerkei wollen. Grossteils handelt es sich dabei natuerlich um Oel-Transporte.

Tag 65

Ich habe eigentlich nur einen Tag in Van und will daher auf die Insel in der Naehe von Akdamar. Niels, Jess, Bill und ich gehen aber vorher noch etwas Fruehstuecken, fuer 40 Lira bekommen wir den ganzen Tisch voller Essen, so viel Kaffee und Tee wie wir wollen und die ganze Sache schmeckt fantastisch. Es gibt kurdischen Kaese, Honig, Eier, Milch, Tomaten, Gurken, eigentlich alles was man sich so vorstellen kann.

Gemeinsam fahren wir dann zum Hafen und wollen von dort eine Fahere nehmen. Niels hat nur bis sechs Uhr Zeit, da sein Zug in den Iran heute abend abfaehrt . Eine genaue Uhrzeit gibt es nicht, doch er will lieber etwas frueher als spaeter am Bahnhof sein.

Im Hafen von Van suchen wir nach Schiffen. Wir sehen auch eines, dass normalerweise den Zug vom Nord-Westlichen zum Sued-Oestlichen Ufer des Sees bringt. Wir sehen Schienen auf dem Boot und an der Anlegestelle. Dieses Mal sind allerdings zwei Panzer geladen und wir beobachten die Entladung. Wir finden heraus, dass die Faehre zur Insel direkt von Akdamar ablegt und nicht von hier. Akdamar ist aber rund 40 Kilometer entfernt und so entscheiden wir uns, die alte Burg anzusehen.

Vom Fusse des Huegels sehen wir die Burg, doch keinen wirklichen Weg hinauf. Bei einer kleinen Moschee, gibt es allerdings einen Trampelpfad, der auf den Huegel fuehrt. Es ist nicht der offizielle Weg und so muessen wir auch keinen Eintritt bezaehlen. Als wir dann auf die andere Seite des Huegels kommen, sehen wir eine relativ hohe Wand. Ein Junge ist gerade dabei, darueber zu klettern und die ganze Sache sieht machbar aus. Ich versuche es auch und komme ohne groessere Probleme drueber. Die Anderen wollen allerdings nicht klettern und entscheiden sich fuer den laengeren Weg.

Am Gipfel des Huegels treffen wir uns wieder und warten auf den Sonnenuntergang. Man sieht von hier ueber das alte Van, das armenische Van. Es sind aber nur mehr Ruinen davon uebrig und um die christliche Vergangenheit zu ueberdecken, wurden zwei Moscheen am alten Stadtrand errichtet.

 

Der Sonnenuntergang ist, naja, ein Sonnenuntergang halt und so gehen wir wieder zurueck zum Hotel. Niels verabschiedet sich und ist sichtlich nervoes, dass er jetzt in den Iran geht. Es gab wohl in der letzten Zeit noch haertere Embargos gegen das Land und so ist die Waehrung rapide gefallen. Er hofft, dass das keine negativen Konsequenzen fuer westliche Touristen hat.

Jess, Bill und ich gehen wieder in die Bar von gestern. Ein Kurde schreibt mir ein paar kurdische Woerter auf, die ich im Irak brauchen kann. Jess und Bill sind sich immer noch nicht sicher, ob sie morgen mitkommen. Doch dann kommt Bill zurueck von der Toilette: „Stefan, I think Ill go with you to Iraq“, darauf Jess: „Oh, Im so glad you just said that, im also excited about going, let’s do it!“. Die Sache ist als beschlossen. Morgen werden wir versuchen nach Silopi zu trampen, die letzte Stadt in der Tuerkei vor der Grenze.

Tag 64

Frueh morgens marschiere ich zur Autobahn, die aus dem Iran kommt und in Richtung Van fuehrt. Ich warte nur ein paar Minuten, bis ein Mann in einem schicken schwarzen Auto haelt. Er traegt Anzug und Krawatte und spricht nur sehr wenig Englisch. Wir fahren gemeinsam mit rund 160 Km/h in den Sued-Westen und als wir ueber einen Berg fahren, sehe ich das erste Mal Schnee auf meiner Reise. Es dauert aber nicht lange und wir bewegen uns wieder bergab. Der Schnee verschwindet und wir machen in einem Dorf halt. Der Fahrer faehrt zur Apotheke und wir steigen beide aus. Wir unterhalten uns und zum Glueck spricht der Apotheker gut Englisch. Ein kleiner Junge bringt ein grosses Tablett voll mit Tee und wir lassen es uns gut gehen. Der Apotheker scheint ein wichtiger Mann in seinem Dorf zu sein, schliesslich macht er die Leute gesund und man sieht es den Kunden an, dass sie grossen Respekt vor ihm haben.

Es geht noch ein paar Kilometer weiter, bis der Geschaeftsmann nach rechts abbiegt und ich nach links weiter muss. Er laesst mich aussteigen, wir verabschieden uns und ich trampe weiter. Mit dem naechsten Auto fahre ich dann entlang des Van Sees, der wirklich wahnsinnig schoen aussieht. Das Wasser ist azurblau, links und rechts sind die Berge.

Kurz vor der Stadt werde ich raus gelassen, mit einem Bus fuer 70 Cent geht es dann ins Stadtzentrum. Ich beschliesse erst mal etwas zu essen. Anschliessend geht es in ein Internet Cafe. Ich habe ein paar Couchsurf Anfragen fuer Van vor zwei Tagen abgeschickt und noch keine Antwort bekommen. Auch in diesem Internet Cafe aendert sich an der Situation nichts. Ich frage den Jungen an der Kasse, ob er mir ein guenstiges Hotel empfehlen kann und so komme ich in das Hotel Emre. Fuer rund 12 Euro bekomme ich ein Zimmer und bin zufrieden damit.

An der Rezeption treffe ich Bill, er kommt aus Australien und erzaehlt mir, dass noch zwei weitere Backpacker im Hotel sind. Niels, aus Holland, Jess aus Australien, Bill und ich beschiessen darauf hin, in eine Bar zu gehen. Es gibt nicht wirklich viel Auswahl an Bars, doch wir finden eine. Die Preise sind vergleichbar mit Salzburg, dazu gibt es aber Pistazien, Karotten und Gurken. Jeder erzaehlt seine Geschichte, wo man schon war, wo es hingeht und wie lange man schon unterwegs ist. Fuer Niels geht es in den Iran, er hat bereits das Visum. Jess und Bill haben sich in Istanbul gefunden und reisen seitdem gemeinsam. Sie wollen ebenfalls in den Iran, fuer Australier ist das Visum allerdings etwas problematischer. Sie muessen noch bis Dezember warten und das exakte Datum fuer das Visum steht noch nicht fest. Ich rede ueber meine Reise und dass ich in den Irak will, Bill und Jess horchen auf und wirken interessiert. Sie wollen aber vorher noch etwas im Internet recherchieren, wie sicher die kurdische Region im Irak wirklich ist.